Das Zeitalter der Schatten

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Ich war in Singapur. Ich war in Thailand. Dann war ich krank. Wenn man sich von einer Magen/Darm-Geschichte und einer 40 Stündigen Reise erholt, hat man plötzlich, gezwungenermaßen, wieder die Möglichkeit mehr Filme anzusehen. Auf „prime“ gibt es Filme von Kim Je-Woon. Seine Meisterwerke wie „I saw the devil“ (keine Ahnung ob der bei Amazon uncut ist), „the good, the bad, the wierd“, „ a bittersweet life“, oder auch den Mist den er ohne Lee Byung-hun, sondern mit Arnold Schwarzenegger gemacht hat, „the last stand“. „The age of shadows“ kannte ich jetzt nicht, sehr gut!

Gerade ist der letztgenannte  Film vorbei und er lässt mich motiviert zurück. Zwar ist der Film ganz anders als die anderen von dem Meisterregisseur (weniger spektakulär inszeniert, kaum verrückte Kamera-Fahrten, keine gigantische Überraschung am Ende), doch die Story hat es mir angetan. Es geht um Korea in den 19 Zwanzigern, als es noch von Japan besetzt war. Die Geschichte die Kim Je-Woon erzählt, ist die Geschichte des Widerstandes gegen das japanische Regime und das ist eigentlich keine motivierende Angelegenheit. Wir Deutschen wissen natürlich dass die Japaner unsere Alliierten aus dem zweiten Weltenkrieg waren – damit erschöpft es sich aber auch schon mit dem Wissen.

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Meine Freundin und ich sind tatsächlich in Singapur ins Nationalmuseum gegangen, um etwas mehr um Singapur zu erfahren, oder besser: Wie das Regime von Singapur sich selbst und seine Geschichte präsentiert. Denn Singapur ist – auch wenn die Stadt unglaublich schön und bling,bling ist – eine Diktatur. Wir haben dann ziemlich über den Krieg der Singapurer gegen die Japaner gelacht, denn das war keine große Geschichte: Die Singapurer hatten keine Chance. Das Witzige für einen Deutschen ist nur, wie traumatisiert sich Singapur noch heute dafür gibt, dass da nur ein paar Tage Krieg geführt wurden. Krieg ist immer schlimm, keine Frage. Doch im Verhältnis zu dem was in Europa passiert ist, ist das wirklich ein Witz. Jedoch nach diesem Film kann ich das Trauma in Singapur (das trotzdem auch Propaganda ist) besser verstehen, denn was die Besatzung anderer Länder angeht war Japan in dieser Zeit wohl ein ziemliches Arschloch. Als Quelle dafür habe ich nicht nur diesen Film. Sondern auch andere.

In „the age of shadows“ fällt aber auch dieser tolle und irgendwie doch total blöde Satz, der in jedem Film über eine Widerstandsbewegung vorkommt: „Lass unseren Tod nicht sinnlos gewesen sein.“ Oder war es: „Lass unser Leben nicht sinnlos gewesen sein“? Egal. Ich. Der ich gerade wieder gesund werde und deswegen auch ziemlich gut drauf bin 😉 Hab mir da gedacht: Momentchen Mal! Ist mein Leben denn nicht dann komplett sinnlos wenn ich irgendwann im Alter friedlich sterbe? Was habe ich denn mit meinem Leben, mit meinem Tod bewegt? Also habe ich mich entschlossen, dass ich mich, keine Ahnung, wenn ich einfach SPÜRE, dass das Ende langsam naht, sei es wegen einer Krankheit (bei mir und meinem Lebenswandel zu 101 Prozent Krebs) oder sonst etwas, mich dann also als Zeichen für irgendeine Bewegung oder Idee irgendwo in die Luft sprenge um irgendetwas damit auszusagen: BAMM. Ein schönes Leben gehabt und dann auch noch ne Message am Schluss. Voll klug finde ich.

Überhaupt.

Wäre das doch eine geile Gesellschaft wo das Menschen kurz vor ihrem Tod immer wieder machen? So als eine Art Gegenbewegung gegen das langweilige und konformistische Leben, dass wir alle führen? Die Alten als die Weisen, die die Gesellschaft aufrütteln: Was haben sie denn noch zu verlieren?

Gutes Thema für eine Kurzgeschichte. Oder für eine veritablen Selbstmord.

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