Stereotyp – 6 – Blutflecken kann man mit Zitrone entfernen

Vielleicht lag es an dem Unfall, den er vor ein paar Monaten gehabt hatte. Paul hatte in seinem Kinderzimmer mit dem kleinen Udo Lohmeyer „gespielt“. Wenigstens hatte es mit Spielen angefangen. Was zu Beginn ein harmloses „Cowboy und Indianer“-Spiel sollte, einbrannte sich zu einem handfesten Gerangel, wer von beiden Jungs „Chingachgook“ sein durfte. „Chingachgook“, der in den Filmen von dem Serben Gojko Mitic verkörpert wurde, war zu jener Zeit Pauls absoluter Held. Er MUSSTE einfach „Chingachgook“ sein. Nur war das ebenfalls auch bei seinem Freund Udo auch der Fall. Und der hatte überhaupt keine Lust stattdessen den weißen „Harmonika“ zu verkörpern. Es war wie so oft: Erst lachten die jungen Steppkes über ihre Uneinigkeit, schon rangelten sie am Boden miteinander, welcher Stärke wohl Recht behalten würde. Udo Lohmeyer war zwar ein halbes Jahr älter als Paul, doch Paul war größer. Deswegen ging jeder ihrer Kämpfe unterschiedlich aus. Sowohl Paul als auch Udo mussten die ganze Zeit Lachen, während sie miteinander kämpften. Schließlich hatte es Paul doch noch geschafft, sich auf den jungen Lohmeyer zu setzen, was in ihrer Welt bedeutete, dass der Kampf vorbei und gewonnen war. Nur wollte Udo sich nicht damit abfinden. Er stieß Paul, dessen Konzentration durch seinen vermeintlichen Sieg schon abgenommen hatte, mit seinem rechten Knie von sich fort, wodurch Paul über Udo Lohmeyers Kopf nach vorne wegschleudert wurde und mit vollem Schwung gegen den alten Heizkörper geschleudert wurde. Genau. Gegen den Knauf. Paul spürte den dumpfen Aufschlag und lachte einfach weiter. Zu sehr war sein Verstand noch von der heiteren Kampfstimmung eingenommen, in der er sich gerade noch befunden hatte. Paul landete wieder rückwärts fallend auf seinem Hintern und dreht sich zu Udo um.

„Hey! Ich hatte doch gewonnen!“ lachte Paul Udo an, der sich inzwischen auch schon wieder aufgesetzt hatte. Udos Augen waren groß als er Paul ansah. Jegliche Farbe glitt aus Udos Gesicht.

„Dein… Dein…“ brachte Udo nur von sich und zeigte auf Paul. Der griff nach oben auf seinen blutigen Kopf. Spürte etwas Nasses. Klebriges. Führte seine Hand wieder vor seine Augen. Sah das Blut von der Platzwunde die er sich geschlagen hatte. Und fing gleichzeitig wie wild zu heulen und zu schreien an. Udo Loymeyer wich weiter von Paul zurück. Er kroch regelrecht in Pauls Spielzeug-Regal und konnte den Blick nicht von Paul abwenden, dem das Blut in Strömen über sein Gesicht lief und von ihm herabtropfte. 

„Was ist denn jetzt schon…“, Pauls Mutter hatte das Zimmer betreten. Mit der geöffneten Tür und dem dazugehörigen Knauf in der Hand stand sie ohne ihre schöne weiße Schürze im Raum und begriff sofort was geschehen war, auch wenn sie: „Was habt ihr denn schon wieder…?“ Trotz allem bewegte sie sich nicht. Die Jungs sahen sie nur beide heulend an, während das Blut wie frisch vom Fass aus Pauls Kopf zu sprudeln schien. „Mama! Mama!“ schrie er hilflos. Seine Mutter sah zu Boden. Auf den grünen Teppichboden, mit dem Pauls kleines Zimmer ausgelegt war.

Die ersten Worte seiner Mutter zu Paul waren: „Paul! Paul! Du blutest ja den ganzen Teppich voll! Pass doch auf!“ Paul sah auf den Boden, sah das viele Blut in den Teppich sickern und wurde noch panischer. Der Junge dachte, er müssen sterben. Den Teppich hatte er dabei ganz vergessen. Paul schrie nur noch mehr. Plötzlich erschien die Mutter von Udo im Zimmer, die nebenan mit Pauls Mutter Kaffee getrunken und Zigaretten geraucht hatte.  Beruhigend legte Frau Lohmeyer Pauls Mutter die Hand auf die Schulter. „Hiltrud“, meinte Frau Lohmeyer, „Mach dich nicht verrückt. Mit Zitrone geht das sehr gut wieder raus.“ Dieser Satz und diese Weisheit würde Paul sein ganzes Leben lang nicht wieder vergessen. So auch in diesem Moment, als er alleine gelassen und verlassen dastand. Bestimmt hatten ihn seine Eltern deswegen verlassen, weil er damals den ganzen Teppich vollgeblutet hatte. Sicherlich war es diese Geschichte gewesen. Zitrone hatte das Problem nämlich nicht ganz gelöst… Auf jeden Fall war sich Paul sicher: Er war schuld, dass er jetzt in dieser Situation steckte. Paul. Hatte es verdient. Und weinte und weinte. Noch nie hatte ein Mensch so viele Tränen verbraucht, wie dieser Junge in diesem Moment. Es lief ihm aus den Augen und aus der Nase, so als könnte die Flut die Zeit zurückdrehen. Als könnte er Abbitte leisten. Als könnten die Tränen und der Rotz irgendetwas ändern. Doch niemand kam. Und keiner half. Bis der Junge schließlich keine Tränen mehr im Kopf hatte. Bis er einfach nicht mehr konnte. Und leblos lag in dem Gebüsch lag. Wie tot. Wie achtlos fortgeworfener Müll. Und das Allerschlimmste in dieser grausamsten Situation, die sich ein Kind nur ausmalen konnte, war das seine Eltern sich nicht einmal von ihm verabschiedet hatten. Dass sie ihm keine Worte mit auf den Weg gegeben hatten. Keinen Grund für ihr Handeln. Keine Erklärung. Nicht einmal dafür hatten sie ihn genug geliebt. Der Vater hatte ihn ermahnt gehabt, seinen Namen für sich zu behalten. Selbst sein eigener Name war Schande geworden.

Als die Tränen versiegt waren und sein durchnässtes Gesicht durch den Frost der ihn umgab immer kälter und kälter wurde, versuchte sich der Knabe ungelenk aus dem kleinen Gehölz zu befreien. Als ihm dies gelungen war, suchte er seinem Kinderanorak nach der Mütze, die eine Frau, die er vor einer Stunde noch „Mutter“ genannt hatte, in seine Tasche gesteckt hatte. Mit der Mütze wischte sich das Kind sein Gesicht trocken. Hiernach setzte er sie sich auf den Kopf. Paul sah sich in der Dunkelheit um. Etwas musste geschehen. An den Tod durch erfrieren dachte er nicht. Der Tod war ein viel zu abstraktes Gebilde. Paul fror und dies war Grund genug um sich in Bewegung zu setzen. Übermorgen würde er 8 Jahre alt werden und als quasi 8-Jähriger wusste er, dass er beim Schlittenfahren immer geschwitzt hatte, nachdem er den Schlittenhügel im Park jedes Mal aufs Neue erklommen hatte. Also musste er sich bewegen und am vernünftigsten war es, sich der Straße entlang zu bewegen. Straßen führen zu Städten. Oder wenigstens zu Lichtungen. Er müsste Menschen finden. Irgendwen. Irgendeinen Erwachsenen. Oder auch nur eine Scheune, in der er Wärme und ein Dach finden konnte. Ob Paul wollte oder nicht. Jetzt war sein Leben ein Abenteuer geworden. Trotzig folgte er der Straße in die Richtung, in welche seine Eltern verschwunden waren.

Entwurf vs. endgültiges Cover „Absolution“

Oben der Cover-Entwurf. Unten das letztendliche Cover.

Für „Absolution“ hatte ich nie vor Geld zu verlangen. Es ist das erste Buch einer Reihe und ich hätte es als Betrug empfunden für eine Geschichte Geld zu verlangen, welche nicht vollendet ist. Es waren letztendlich persönliche Gründe, weshalb ich die Erzählung nicht als EIN großes Buch konzipiert habe. Ein privater Schicksalsschlag diesen Sommer hat mir den Willen und vor allem die Energie genommen, es in einem Rutsch zu Ende zu bringen.

Das Schreiben daran hat mir bis dahin sehr viel Spaß gemacht. Die Geschichte sollte so drüber sein wie nur möglich – ohne jedoch den Blick für die menschliche Seite zu verlieren. Es sollte mehr sein als eine Fantasy-Geschichte, aber auch mehr als eine weitere Drogen-Story. Es sollte an allen Ecken und Enden „zu viel“ sein. Tatsächlich wird es im nächsten Band auch noch eine Art Road-Trip mit Krimi-Elemente geben. Ideen habe ich genug. Ich brauche nur ein wenig Abstand, zum Luftholen.

„Absolution“ sollte nie in einem großen Verlag erscheinen. Ich habe nie daran gedacht etwas zu kürzen oder Rücksicht auf einen Lektor mit fremden Vorstellungen oder die breite Masse zu nehmen.

Mit dem Cover bin ich so lala zufrieden. Es ist von der gleichen Dame, die mir das Cover zu „Verlorene Jungs “ gemacht hat. Ich wollte richtig schön fett und groß und ein wenig trashig den Titel oben drauf, wie bei einem miesen VHS-Cover. Den Autoren-Namen klein darunter. Dazu zwei oder drei Hütten im Dschungel – und eine Hütte sollte brennen, um dem „Fantasy“-Anspruch gerecht zu werden. Leider ist der Stil des Covers ein wenig zu kindisch, weswegen ich mich für die ein wenig „kratzigere“ Version entschieden habe; „Absolution“ ist sicher einiges, nur nicht Kinder gerecht.

„Absolution“ ist frei erhältlich über alle eBook-Shops – außer über Amazon

Bemerkenswert

Die Bücher „Absolution“ und „Verlorene Jungs“ von Paul Fleming umsonst in ihrem eBook-Shop

Dies ist ein am Seitenanfang fixierter Beitrag.

Die Bücher sind ganz einfach in eurem eBook-Shop frei zum Download erhältlich (außer via Amazon, da Amazon keine Bücher für 0 Euro anbietet) – oder noch schneller über mein Bookrix-Profil, welches ihr über diesen farbig markierten Link anklicken könnt.

Ich habe mich für die „Umsonst-für-alle-Variante“ entschieden, da eh nicht viel Geld für mich dabei herausspringt und ich lieber gelesen werde, als mehr schlecht als recht 10 Euro im Monat damit zu verdienen. Etwas zu verschenken fällt schließlich keine Aussage über die Qualität des Geschenks.

Viel Spaß damit!

Absolution 51 – Der Angriff

„Wo bist du mit deinen Gedanken, Paul!!!“

Déjà-vu?

Die Explosion ist so ungeheuerlich stark, dass Paul wie ein sprichwörtliches Insekt durch die Luft geschleudert wird. Der entfesselte Explosionsdruck trifft ihn völlig unerwartet in seine rechte Körperhälfte und drückt ihm dabei sämtlichen Sauerstoff aus seinen Lungen. Er nimmt kaum wahr wie ihn eine undurchsichtige Wolke aus Erde umschließt, dafür umso heftiger, wie die kleinen Geschosse aus Erde auf ihn herabprasseln, als er wie ausgespuckt, knochenhart mit seinem linken Schlüsselbein auf den Boden aufgeschlagen ist. Reflexhaft verkrümmt versucht er wieder Luft zu bekommen, doch da ist nur der aufgedonnerte Staub, der sich durch das Einatmen nun auch noch in seine Lungen bohrt. Paul verschluckt sich und keucht.  Er windet sich vor Schmerzen und presst apathisch seine rechte Hand auf die verletzte Schulter. Selbst im  Körper von Banyardi war das eine heftige Nummer. Gar nicht auszudenken, was mit seinem untrainierten Drogenkörper passiert… Dann erfolgt die zweite Explosion. Der Einschlagspunkt ist noch ein wenig näher als bei der ersten Detonation, da Banyardis Körper jedoch inzwischen auf dem Boden liegt, wird er nicht noch einmal weggewirbelt. Da ist nur wieder sehr viel Staub, wenn auch weniger Lärm. Wahrscheinlich hat sein Trommelfell schon bei der ersten Explosion einiges abbekommen; die nächsten Einschläge von – was aus immer- ziehen an ihm und dem Dorf der Mi-Cock vorbei und sprengen dafür den Dschungel auseinander. Der Dschungel, dessen tierische Bewohner ansonsten zu jeder Tages- und Nachtzeit aus vollen Kehlen zu schreien scheinen, schweigt. Die Ersten, die zu kreischen beginnen, sind nicht die Tiere. Es sind die Menschen. Stöhnen und Wehklagen wimmert durch den Dschungel.

Paul drückt Banyardis angeschlagen Körper würgend auf alle Viere hoch und erbricht eine Melange aus Speichel, Dreck und Magensäften. Dann kommt die Erinnerung. Bevor das Volk der Ma-Fag mit seinen Gefangen, den Mi-Cock, bombardiert wurde, stand Banyardi mit Ylva und seiner Mutter zusammen, und… Mutter? Wie vom Blitz getroffen, alle Schmerzen ignorierend, steht Paul auf.

„Mutter?“

Das Dorf der Ma-Fag sieht aus als würden hier gerade Szenen für den Film „Apocalype now“ gedreht werden. Überall ist Rauch. Zerstörte, brennende Hütten. Zerfetzte Menschenleiber. Aufgewühlter Boden. Es sieht noch unechter aus, als es sich anfühlt. So viele zerrissene Menschenleiber; Paul hätte gar nicht gedacht, dass es SO VIELE Ma-Fag gibt…

„MUTTER!“

Paul reibt sich die Augen. Sein/Banyardis Körper ist über und über mit Staub bedeckt.

„Wo bist du?!“

Und wer hatte ihn vorhin eigentlich Paul genannt? Er war vorhin nicht Paul gewesen… Später schon… Alles ist so verwirrend… Und was ist mit Ylva? Unterbewusst nimmt Paul das Knacken war. Er dreht sich nach links zurück. Dann sieht er wie die Bäume fallen. Der Wald bricht mittig geteilt auseinander und eine unfassbar große Schneise entsteht. Wie in einem verdammten Zeichentrickfilm.  Kurz und lächerlich muss Paul bei dem Anblick an ein Bild in einer Bibel denken, welches er einmal als kleines Kind gesehen hat, in welchem Gott das Meer teile, um die Israeliten zu retten. Nur. Dass dieser Anblick nichts mit „Retten“ zu tun hat. Denn jetzt taucht der Drache auf. Ein verdammter Drache LÄUFT durch den Dschungel, als würde er durch dünnes Schilf gehen.

Und Paul sagt nur: „Okay…“

„PAUL!“ schreit Ylva zu ihm hinüber, worauf er den Kopf wendet. Ylva rennt auf ihn zu. Eine der Explosionen hat ihr die Kleidung von ihrem ebenfalls mit Staub und Schlamm überzogenen Körper gerissen. Ihre Titten hüpfen und springen dabei lächerlich rotierend vor ihr herum. Wie in dem unerotischsten Softporno aller Zeit. Bei ihm angekommen bleibt sie nicht stehen, sondern packt Paul an seiner rechten Hand und zieht ihn mit sich: „Wir müssen hier weg! Sofort!“ Sie rennen einfach los. Sie springen über den zerborstenen Bambus des Ziegengeheges. Über die toten, verbrannten oder noch gerade so stöhnende Ziegen. Über den einen oder anderen Leib eines Menschen. Brennendes Gras. Den kleinen Weg entlang. In die Mitte des Dorfes.

Ylva und Paul sind die Einzigen, die in das Dorf fliehen, während sich alle anderen Überlebenden vor dem Drachen in den Dschungel retten. Es gibt keine Gegenwehr. Keine tapferen Krieger, die glauben es mit dem Monster auf sich nehmen zu können. Währenddessen schießt der Drache wieder und wieder seine Feuerbälle auf das Dorf ab. Aus den Augenwinkeln erkennt Paul wie auch Mi-Cock unter den Flüchtigen sind. Irgendwer muss sie aus ihrem Gefängnis gerettet haben. Gut.

„Warum zum Teufel laufen wir IN das DORF?!“ brüllt Paul Ylva an. Schon längst hat sie seine Hand losgelassen, damit sie schneller laufen können.

„Weil wir die….“ Und etwas Unverständliches.

„Weil was?“

„Weil wir die Kugel…“

„WAAAS?!!!“

„Weil wir die Kugel brauchen! Ohne sie war alles umsonst!“
Ein weiterer Feuerball schlägt hinter ihnen ein und schleudert sie auf den Boden. Ylva und Paul knallen der Länge nach auf ihre Bäuche und bleiben stöhnend liegend. Irgendwer schreit ein „Vorwärts!“ aus der Richtung des Drachen. Weder Paul noch Ylva reagieren darauf. Wieder ist Paul auf allen Vieren. Er schüttelt den Kopf hin und her. Wie ein Tier. Um wieder zu Sinnen zu kommen. Dabei erspäht er die verängstigten Kinder der Familie Mischaa unter deren Hütte kauern. Panisch flehen ihre Augen zu Paul hinüber. Große, schwarze, ängstliche Augen. Dicke, ehrliche Kinder-Tränen.

„Haut ab! Versteckt euch im Dschungel! Raus aus dem Dorf!“ Die Älteste der Mischaa-Kinder ist die erste die aus ihrer Schockstarre erwacht und auf Pauls winkende Handzeichen ihre jüngeren Geschwister in den Dschungel scheucht.

„Die KUGEL!“ brüllt Ylva von der anderen Seite. Sie steht schon wieder auf.

„Wo verdammt?!“

„Sie ist vergraben! Unter dem Dorfplatz!“ Sie muss den Platz meinen, an dem die Gemeinschaftstreffen der Dorfgemeinde abgehalten werden. Fast hätte Paul noch ein „Warum?!“ zu ihr hinübergeworfen, nur ist ihm klar, dass das jetzt auch schon keine Rolle mehr spielt.

Paul springt auf die Beine, brüllt: „Los! Los! Los!“ Und sie rennen die letzten 100 Meter bis zum zentralen Platz im Dorf. Ein Blick über die Schultern zeigt ihm, dass der Drache mit irgendetwas beschäftigt zu sein scheint. Wertvolle Sekunden machen sich breit. Ylva und Paul kommen am Festplatz und plötzlich erscheint Paul der eigentlich kleine Zeremonienplatz als eine riesige Ebene.

Noch einmal die Frage: „Wo verdammt?“

Ylvas und Pauls Augen treffen sich. „In der Mitte! Da wo das Feuer gemacht wird!“

„Na super….“
Paul rennt auf die kalten, verkohlten Holzstücke zu. Genau in deren Mitte und wirft so schnell er kann die schwarz verrußten Überbleibsel zur Seite. Das war der leichte Teil. Der schwierige ist es, den Boden zu öffnen. „Ein Königreich für eine Schaufel“, flucht Paul in sich hinein. Hinter seinem Rücken donnern schon wieder Explosionen durch den Boden. Zwar ein gutes Stück weit hinter ihnen. Aber doch. Ylva und Paul buddeln den trockenen Teil der Erde weg. Dann wird es lehmig und richtig schwierig. Ihre Finger bohren sich in den Erdboden. Fingernägel splittern und brechen. Paul schnappt sich ein Stück Holz und schlägt auf den Boden ein.

„Wie tief müssen wir?“
Ylva schüttelt nur ahnungslos den Kopf. Sie weint dabei. Paul gräbt verbissen weiter. Trotz seiner verletzten Schulter. Aus den Augenwinkeln bemerkt er einen Schatten heranhuschen, doch er reagiert nicht darauf. Als Ylva von starken Armen umschlossen wird, sieht Paul dann doch auf. Der Schweiß rinnt ihm in Sturzbächen über sein Gesicht. Er schüttelt sich um ihn nicht in seine Augen zu bekommen. Es ist Murdock, der Ylva in den Arm genommen hat. Ylvas Vater. Eine Nanosekunde lang wundert sich Paul darüber, wie ähnlich Murdock dem alten Gott des Krieges ähnelt, bis auf die langen Haare.

„Was macht ihr hier? Ich habe euch gesucht! Die anderen sind alle…“ Bellt er seine Tochter an.

„Kugel…“ bringt sie nur hervor. Murdock lässt seine Tochter los und packt Paul an seiner heilen Schulter an: „Warum setzt du deine Kräfte nicht ein! Los Junge!“

Pauls Kopf wankt überrascht ein Stück von dem Übermenschengroßen fort: „Kräfte?!“

„Deine KRÄFTE!“

Die Männer sehen sich an. Im Hintergrund schießen immer wieder und wieder Feuergeschosse in die Lunge dieses Planeten. Die Erde bebt.

„Er… Er hat sie noch nicht… Entdeckt!“ Dieses Mal ist es Ylva die ihren Vater am Unterarm packt. Murdock blinzelt. Danach nickt er. „Dann muss es wohl so sein.“ Er greift hinter seinen Rücken und holt einen kleinen Dolch hervor, welchen er Paul reicht: „Grab damit.“ Verdutzt nimmt Paul den schweren, metallenen Dolch in seine rechte Hand. In der Welt der Ma-Fag gibt es kein bearbeitetes Metall in dieser Qualität. Paul lacht kurz auf. Schüttelt seinen Kopf und meint: „Ich will gar nicht wissen wo du den die ganze Zeit versteckt gehabt hast.“ Er beginnt zu graben. Mit dem Dolch ist es einfach die Erde aufzureißen. Schnell entsteht ein breites Loch, dass von Murdocks Schaufelgroßen Händen in Windeseile vergrößert wird. Hoffnung kommt in Paul auf; vielleicht können sie es wirklich schaffen. Und. Ist es absurd zu glauben, dass wenn man in seinen Träumen stirbt, man auch wirklich stirbt?

Murdock hebt wirbelt herum. „Sie sind da?“ Ylva schreit vor Schreck auf, so dass auch Paul nicht anders kann al sich umzusehen. „Verdammte Reptilienmenschen“, knurrt Murdock. Er steht auf. Und seine ganze Körperspannung zeigt an: Er ist zu allem bereit. Murdocks nordischer Körper glänzt wie ein einziges großes Muskel in der südländischen Sonne. Seine kalte Entschlossenheit in den Augen gibt Paul das Gefühl, als wäre dieser Krieger, nur für diesen Moment geboren worden. Paul hat viele Filme gesehen. Viele verrückte Kameraperspektiven. Viele Maskeraden, die kleine Männer groß, und Trottel cool erschienen ließen. Nur so eine Aura wie die, die von diesem Mann ausgeht, hat er noch nie erlebt. Das Einzige was Paul nicht versteht, weshalb der tapfere Mi-Cock-Anführer von „Reptilienmenschen“ spricht. Die Männer haben doch eindeutig Vogelköpfe. Wie muskulöse ägyptische Götter sehen die Truppe von etwa 20 Feinden an. „Horus“-Monster, wohin er sieht.

„Grab.“ Knurrt Murdock zu Paul hinunter. Und obwohl Paul sofort wild und schnell damit fortfährt die zentrale Feuerstelle der Ma-Fag umzugraben, denkt er in seinem Innersten, dass das „Grab“ von dem Murdock gerade sprach, ihr aller sein würde. Paul sieht nicht, wie Murdock sich in Bewegung setzt.

Absolution 50 – Sex wie Liebe

Wo bist du mit deinen Gedanken, Paul?“

Kathas Kopf lag ruhig auf Pauls nackter Brust. Ihr lockiges, braunes Haar wogte sachte im Takt seines Atems.  Das Fenster stand offen. Der Rollladen war von Paul soweit herabgelassen worden, dass er genau nicht die Unterseite des Fensters verdunkelte. Von außerhalb des Gebäudes brandete das gedämpfte Gelächter aller Wahrscheinlichkeit nach, spielender Kinder an. Ihre Sorglosigkeit klang naiv und frei, gleich Wellen, die nach einer langen Reise durch die Ozeane dieser Welt letzten Endes spielerisch an Land schwappten.

Paul streichelte verträumt mechanisch mit seiner linken Hand sanft über Kathas entblößten Rücken. Ihre Haut war perfekt und straff. Hier und da ein Leberfleck oder ein anderes Alleinstellungsmerkmal, die jeden Menschen zu einer perfekten, einzigartigen Schneeflocke formen.

„Woran soll ich denn denken?“

Sie lagen in seiner Wohnung. In seinem Bett. Eng aneinandergeschmiegt. Nackt. So nah, wie sie sich zwei Menschen nur sein können. Ihre Blicke hingen sorglos verloren am weiß gestrichenen Mauerwerk von Pauls Wohnung. Mal schlossen sie die Augen. Mal sahen sie sich an, ohne sich in ihre Gesichter blicken zu müssen.

„Ich merke doch, wenn du…“

„Wenn ich was?“
„Wenn du abwesend bist.“

Ein kurzer Moment der Stille trat ein. Selbst die Kinder, irgendwo im Hof vor dem Haus holten kurz Luft. Dann:

„Tatsächlich habe ich mich schon seit langer Zeit nicht mehr so sehr in einem Moment gefühlt, wie jetzt.“

„Ja aber… Manchmal… Da bist du wie… Wie weg…“

Paul seufzte Tonlos. Sein rhythmisches Stricheln wurde unterbrochen. Gern hätte er nun in Kathas Augen geblickt. Fast hätte er sie zart an ihrem Kinn berührt, ihr Gesicht zu dem seinen gezogen, sie geküsst und ihr versprochen, dass alles gut sei. Doch er beließ es dabei. Denn zu schön war dieser Moment. Hier im Bett. So aneinander geschlungen. Denn solche Momente. Solche Nähe. Solch ein Glück. Können dir die Drogen nicht geben. Keine Phantasie. Kein Kick. Keine Abfahrt. Diese Momente. Ehrliche Augenblicke. Erschienen Paul als außerordentlich selten in einem Menschenleben. Dies hier waren die Momente, bevor die Liebe zueinander ausgesprochen wurde. Bevor alles unwiderruflich den Bach hinuntergingen. Dies hier. War Liebe. Auch wenn weder Paul noch Katha sich darüber im Klaren waren, ob sie den anderen wirklich…

„Es passiert viel… Durcheinander…“

„Was denn?“

„Ach… Lass doch mal gut sein.“

Eine Pause entstand. Noch kein Moment der Distanz. Ein Luftholen, in welchem Paul kurz in sich hineinfühlen musste, wie weit er bereit war für Katha die Türe zu seinem Selbst zu öffnen.

„Weißt du“, fuhr er dann schließlich fort, als seine Finger wieder über ihre Haut tanzten. „Da ist diese Geschichte mit dem Fettsack und Chris. Da wurde was an die Scheiben des Bosporus geschmiert.“ Paul erzählte die Story von Chris und Fettsack, denn die Geschichte von Ylva konnte er unter keinen Umständen erzählen. Auch. Wenn sie sich langsam ebenso echt anfühlte, wie die Probleme seines Freundes Fettsack. Paul wusste durch die Jahre seiner Drogensucht, dass die beste Lüge nicht die war, die Wahrheit verfälscht darzustellen. Dabei verstrickt man sich mit der Zeit nur immer wieder und weiter in Widersprüche. Nein. Katha war schließlich nicht Pauls erste Freundin. Die beste Lüge besteht darin, wenn man der Frage ausweicht und einfach über einen ganz anderen Sachverhalt spricht.  Ein klassisches Ablenkungsmanöver.

„Ich hab keine Ahnung ob er wirklich was mit Sarah hat.“ Katha drehte sich etwas herum und sah Paul von seinem Brustkorb aus an. „Sie hat mir nichts davon erzählt. Wieso auch? Sarah war schon immer ein wenig…“ Katha lächelte. In Pauls Augen deswegen, da sie zu nett dafür war über Sarahs Lebenswandeln zu urteilen. Oh wie gütig und brav Katha doch war. Und dass zu einer Frau wie Sarah, die Katha in ihrer Abwesenheit oft nur herablassend in Bezug auf ihren Job als „die Fleischfachverkäuferin“ betitelte. Brave, schöne, perfekte Katha. Pauls Erektion kehrte schlagartig zurück. Wie konnte er nicht verrückt nach ihr sein?

„Auf jeden Fall kann Chris das mit dem Bosporus nicht gewesen sein.“
„Und? Warum nicht?“
„Weil er mit Koji und mir unterwegs war.“

Paul sah sie abschätzend an. Worauf Katha gespielt genervt die Augen verdrehte. „Der Kumpel von Miguel. Du weißt doch.“

„Der uns damals die Mitsubishi-Teile vertickt hat.“

„Na ja… SO kann man sich die Leute auch merken… Aber ja.“

Katha strahlte ihn an. „Also kann der Chris das nicht mit der Fensterscheibe gewesen sein.“

„Da bin ich jetzt aber baff. Hefig. Irgendwie… Ich war mir so verdammt… Und was haben du, Chris und Koji in der Nacht gemacht?“

„Na was schon?“ lachte sie ihn überzogen albern an. „Ich hab mit Beiden gefickt!“ Worauf sie ihn auf den Mund schmatzte und sich lachend von ihm abwand und unter der Bettdecke versteckte „Blöde Kuh“, schmollte Paul eine Sekunde lang, bevor er damit begann seine vor Freude kreischende Freundin aus der Decke zu wühlen und sie von hinten durch zu kitzeln. Der Rest war atemloses Gelächter, der ziemlich schnell in atemlosen Sex überging.

Erschöpft lagen sie danach wieder zusammen. In Löffelchen-Stellung. Während draußen vor dem Haus die Kinder nicht müde wurden zu Lachen. Das mit Chris waren gute Nachrichten, dachte Paul für sich. Vielleicht sollte er sich mehr mit Katha unterhalten.  Und am Ende würde alles gut werden. Und hauptsächlich sollte er sich weniger Gedanken über die Probleme anderer machen. Im Moment waren die wichtigen Dinge im Leben gefragt. Und zwar. Wo und was er und seine Freundin gleich zu Abendessen sollten. Vor solche Dinge sollte das Leben gemacht sein.

Absolution 49,5 – Alles wieder auf Anfang?

„Also alles wieder auf Anfang…“

„Kommst du noch mit zu mir?“
„Ins Bosporus? Klar… Warum?“

„Das Übliche.“

„Das Übliche“ bestand wie zu erwarten aus dem Einatmen von Kokain. Obwohl er relativ oft mit dem Fettsack kokste, kamen sich die Beiden in der dadurch erweckten Geistesfassung selten näher. Selten war Paul so gefühlskalt wie auf Kokain. Und immer. Immer wurde der Fettsack auf dem Zeug geil. Seine Finger tappten dann geheimnisvollen Mustern folgend über sein Smartphone. Schrieb er seiner Frau? Wo war die überhaupt? Hatte die irgendwer noch einmal gesehen? Gab es die noch? Oder schrieb er vielleicht Sarah? Oder sonst wem? Und warum musste der Fettsack die Frau vom Baader so krass anpacken? So richtig tief sein. So richtig tief… Was lief hier eigentlich im Genauen? Jedoch. Es interessierte Paul in dem Ausmaß, in dem es ihm egal war. Sein Mund öffnete sich ein paar Mal in dem Versuch seine Fragen zu formulieren – er ließ es dann doch lieber wieder sein.  Das Kokain verschluckte seine Gedanken. Auch schon egal. Er konzentrierte sich lieber darauf Katha eine Whatsapp mit vielen küssenden Smileys zu schicken. Und auf die nächste Line.

Vitali und Vladimir. Die beiden Klitschko-Stuntdoubles. Waren gar nicht erst mit Hinaufgekommen. Dafür war Bobby noch aufgetaucht. Und es wurde geredet. Über die Aktion von geradeeben. Und sonst eh irgendwie alles. Eine Szene wie auf Valium.

Bobby beglückwünschte Paul zu seiner Beziehung zu Katha. Was Paul peinlich war. Während der Fettsack Paul schon wieder davor warnte, dass Frauen einen nur kontrollieren wollen. Frauen seien nur da, um hart gefickt zu werden. Das ist nun mal so. Und Paul dachte an Sarah. Und er dachte an Chris. Und an eine Fensterscheibe, die eingeschlagen wurde.

„Am besten in den Arsch. Damit sie wissen wo der Hammer hängt.“ Dabei drehte sich der vom Koks wie ein Irrer schwitzende Fettsack einen Long-Paper-Joint. Paul und Bobby sahen sich zweifelnd an. Und ohne dass sie es aussprechen mussten, wunderten sie sich darüber, was aus ihrem Freund Fettsack geworden ist. Aus diesem Typen. Der immer so gerne gelacht hat.

Dann begann Bobby coole Scheiße zu erzählen.

Und Katha.

Schickte Paul ein GIF zu. In dem zwei Katzen miteinander kuscheln.

Absolution 49 – Ansage an die Konkurrenz

Der Fettsack bahnte sich wie ein geisteskranker Pac-Man seinen Weg in das Haus: Immer den Gang entlang. Scheinbar hatte er keine Ahnung wohin er musste, das „body count“-Kommando hinterher. Die Frau – vermutlich die Hausherrin – wurde auch von Paul sofort hinter sich gelassen, dabei schenkte nur er ihr ein entschuldigendes, leicht peinlich berührtes Lächeln. Vielleicht war dieses Lächeln sogar der Grund, warum die Frau noch einen weiteren Moment zögerte, bevor sie wie irre zu Schreien begann. Ein, zwei falsche Abbiegungen und dunkle, ideenlos normal eingerichtete Räume später, fand der Fettsack die Person die er suchte, der Hauptgrund und Mittelpunkt ihrer abendlichen Aktion: Den Baader. Und obwohl Paul den Herren Baader noch niemals jemals irgendwo bewusst gesehen hatte, weder auf der Straße noch in der Zeitung, klingelte es jetzt in seinem Kopf, um welchen Kerl es sich hier in Fettsacks Kopf drehte. Der Typ war der Besitzer der „Metzgerei Baader“, einem kleinen Konkurrenten des Fettsacks-Imperiums. An normalen Tagen wäre der kleine Leberkäspanscher für Fettsack nicht einmal der Rede wert gewesen, außer es ginge um miese Qualität und verfettete Produkte, schlechte Haltung; was man nun einmal so über die Konkurrenz so behauptet. Paul fand die Wurst vom Baader aber auch nicht so geil. Tatsächlich viel zu fettig. Jedoch war Paul auch klar, dass es hier nicht mehr nur um die Wurst ging. Jetzt ging es um Alles.

Der Baader machte das, was die meisten Deutschen ohne bewusste Probleme an einem Mittwochabend taten. Er saß in seinem Wohnzimmer vor der Glotze und aß. Ein halbes Hähnchen mit Kartoffelsalat. Der ganze Raum roch danach. Schön würzig. Vielleicht war der Baader doch nicht so ein schlechter Metzger wie der Fettsack immer behauptete. Auf das anstürmende „body count“-Kommando reagierte er ebenfalls so, wie man es von den meisten Deutschen erwarten konnte. Er sank erschrocken in sein eigenes Sofa und war baff vor Schreck. Fettsack: „Jetzt pass mal auf du mieser kleiner Wichser! Was schreibst du an meine Wand?! Was schreibst du an meine Waaaand!!! Was du an meine Wand schreibst?!“ Der Fettsack war mit seinem Kommando zwischen Tisch und Fernseher stehen geblieben, zeigte mit seinem nackten Finger auf dem Mann und schrie. Die Türsteher-Menschen neben sich. Irgendwo daneben stand Paul. Ganz daneben, noch in der Türe die Frau, bei der es sich wohl um Frau Baader handelte. Im Fernseher RTL. Über dem Sofa ein Bild von „Hundertwasser“. Der alte Baader, Mitte 50, dick, dreiviertel Glatze, Brillenträger, war bisher sicherlich jeden Tag der Herr über sein eigenes Leben gewesen – bis zu diesem Zeitpunkt. Fürchterlich erschrocken und traumatisiert brachte er nur ein wiederholtes: Ich… Ich… Ich… Ich…“ hervor, dass den Fettsack nicht sehr beeindruckte. Der stemmte nur seinen rechten Fuß mit der ganzen Sohle auf den Fernsehtisch, ohne dabei (Zufall) den Hähnchenteller zu berühren, lehnte sich nach vorne, drohte weiter mit seinem Zeigefinger und machte die Ansage: „Wenn ich NOCHMAL! IRGENDWAS! An meiner Wand lese! Mit dem du versuchst mein GESCHÄFT zu ruinieren! Dann mach ich dich ALLE! Ich schick meine Russen vorbei! Und dann nehmen sie deine Bude auseinander!“

Hier. Legte der Fettsack eine kleine theatralische Pause ein. Wahrscheinlich nur so, damit der Baader die Info verarbeiten konnte. Jedoch. Sagte einer der Russen mit starken Akzent in die Stille:

„Wir sind keine Russen…“
Der Fettsack: „WAS?!“

„Wir sind keine Russen. Wir sind Ukrainer.“
Der Fettsack drehte sich entnervt um und sah den Typen an. Mit fragenden Händen raunte er zu dem Kerl: „Das spielt doch über KEINE ROLLE!“

Der Sprecher des „body count“-Kommandos entgegnete darauf nur: „Für uns schon!“

Der Fettsack wirbelte wieder zu Baader herum und fragte ihn amüsiert: „Interessiert dich ob die Russen sind oder nicht?“ Der brachte nur ein „Äh“ hervor. „Oder sie Frau Baader?“ an Frau Baader gewandt. Die schüttelte nur eingeschüchtert mit dem Kopf, da sie nun auch noch Teil der Szene wurde. Wieder an den Kerl gewandt: „Es ist jetzt gerade nicht so wichtig…“ Etwas beruhigt und scheinbar sogar von der Szene belustigt wandte er sich wieder dem sprachlosen Baader zu. Wollte etwas sagen, dann kam ihm ein Gedanke, worauf er sich Paul zuwandte: „Die Klitschkos sind doch Ukrainer, oder?“

Paul: „Ähm. Tja. Tatsächlich stimmt das…“

Der Fettsack wirbelte wieder herum.

„WENN DU NOCH EINMAL IRGENDEINEN SCHEISSDRECK AN MEINE WAND SCHREIBST! DANN SCHICKE ICH DIR MEINE KLITSCHKOS AUF DEN HALS, VERSTANDEN!“ brüllte darauf der Fettsack wieder auf den Baader ein. Der Baader wurde darauf noch bleicher, seine Frau klammerte sich ängstlich an den Türrahmen ihrer Wohnzimmertüre und die Ukrainer lächelten ein wenig ob ihrer Bezeichnung als Klitschkos; das klang schon viel besser.

Baader: Nickte.

Und der Fettsack. Zuckte mit den Schultern. Drehte sich um und sagte ruhig und ausgelassen: „Okay. Wir sind hier fertig.“  Das „body count“-Kommando machte sich wieder auf den Weg nach draußen. Nur Paul konnte es sich nicht verkneifen noch zu bemerken: „Und ganz ehrlich: Hundertwasser ist scheiße.“ Der Fettsack tätschelte noch im Hinausgehen den Knackarsch der Frau vom Baader. Packte richtig tief rein.

Als die Autotüren wieder ins Schloss dumpften meinte der Fettsack ganz ausgeglichen und sichtlich selbstzufrieden: „Das lief ja ganz ordentlich.“

Paul verzog daraufhin den Mund zu einer abschätzigen Grimasse in Richtung seines Freundes und sprach: „Aber das mit dem Fenster. Das war der nicht…“

„Jupp“, stimmte der Fettsack zu. „Glaube ich auch nicht.“