Launchpad MK2 von Novation – und der Frust

„Ableton live“ soll die einfachste Software sein um damit Musik zu machen. Ich habe mir dazu ein Launchpad MK2 von Novation gekauft (was dafür nicht erforderlich ist, das Launchpad ist nur dazu da, um Töne/Loops darauf zu laden um sie dann wieder zu geben; wofür es die Software braucht ist es Musik auf das Pad zu bekommen), die größere Version von dem hier aus dem Video. Und ich finde. Als absoluter Computer-Steinzeit-Mensch, dass es gar nicht so einfach ist, die Software zu bedienen. Besonders wenn man eher der unruhige Typ ist und schnell gefrustet ist. Das Problem ist ironischerweise, dass man ZU VIEL damit machen kann…

Ohne solche Videos wie folgende wäre ich komplett aufgeschmissen. Zum Glück sind die Meisten auf Englisch…

Aber jeden Tag lerne ich was Neues 😉 Nur nicht aufgeben.

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Absolution – 29 – Wie der Donner eines aufziehenden Gewitters eine Grundschule zum Schweigen bringt

Kamyor, der Stammesführer der Ma-Fag, erhebt sich. Seine Gefolgschaft verstummt wie ein einzelner Mund. „Wir können die Mi-Cock weder bei uns aufnehmen, noch können wir ihnen vertrauen. Töten, werden wir sie nicht. Wer weiß ob sie Recht behalten und dann sind es eines Tages wir, die Ma-Fag, die sich anderen Ortes Schutz suchen müssen; wie könnten wir dies vor dem Wald, vor dem Tages- und des Nachtgestirnen rechtfertigen?“ Der alte Mann beginnt zu seinen Wortgewordenen Überlegungen den Rat der Männer zu Umkreisen, so wie es schon unzählige Stammesführer vor ihm getan hatten, und es vielleicht nie wieder geschehen würde. „Wir müssen auf der Hut sein. Wir müssen Späher aussehenden, die nach diesen… Wie hat er sie genannt? Monster? Seltsam, dass das Volk der Mi-Cock keinen Namen für ihre Peiniger hat, die sie doch aus ihrer Heimat vertrieben haben sollen… Wir müssen diese Monster finden, bevor sie uns finden, um dann angemessen zu reagieren. Wir haben einen Vorteil, den diese Wesen nicht haben, denn wir wissen, dass jemand, wenn auch nicht WAS kommen wird. Deswegen sollten wir uns weiter mit Murdock und den seinen unterhalten, um mehr über unseren Feind zu erfahren. Seien es diese (er spricht das Wort verächtlich aus) MONSTER… Oder seien es in Wahrheit die Ma-Fag selbst. Sollte es“, fährt er mit einem beißend Ton denen gegenüber fort, die ihn für einen schwachen Führer halten mögen, „keine Monster geben, werden wir die Mi-Cock vertreiben – und weiter von unseren Spähern beobachten lassen. Sollten sie eine Finte vorbereiten, wird der Wald uns schützen. Denn ja. Dieses Volk mag uns an Kraft überlegen sein. Doch im Gegensatz zu uns, den stolzen Ma-Fag, wissen sie nicht den Wald zu lesen, was Banyardi und Paco bewiesen haben… Wir leben hier! Und! Wir sind im Vorteil! (Ruhiger) Was die Frauen betrifft, die überaus reifen und wohlgenährten Frauen der Mi-Cock, so werden wir sie – vorerst! – wie unsere Gäste behandeln. Wer weiß ob wir die starken Arme der Mi-Cock noch benötigen werden… Behandelt sie alle wie unsere Gäste! Nicht wie unsere Eroberung! Doch zuerst. In allen Belangen! Kommt unser Volk!“

Die Ma-Fag nicken. So soll man es schreiben. Und so soll es sein.

Kamyor holt mit einer Geste Masiyo zu sich heran. Sie tauschen Worte. Blicke. Ihre Schultern nicken. So wie es in diesem Stamm üblich ist, wenn sich zwei Männer verstehen. Dann winkt Masiyo, der Dorflehrer, Banyardi zu sich heran, während Kamyor die Ma-Fag zu Bett schickt.

Lass uns ein paar Schritte gehen“, lächelt der Gebildete dem jungen Mann zu. Banyardi schrenkt die Ehre, mit dem Ältesten und dem Lehrer scheinbar ein Geheimnis zu haben, das Schlucken ein.

In diesem Dschungel gibt es keine Berge, keine Erhebungen, die die Gruppe von drei Männern erklimmen könnte, um, wie in einem Film, gedankenverloren, jedoch konzentriert, auf das Dorf, dass sie beschützen wollen, hinab blicken könnten. Es gibt auch keinen See, zu dem sie und um den sie spazieren könnten, in welchem sie sich voller Kriegsromantik am Anblick des Mondes suhlen könnten. Tatsächlich gehen die Männer auch zu keiner Glaubensstätte, an welcher sie sich ungestört fühlen würden, deren Winkel und Ecken jedoch mehr als genug Verstecke für lauschende Ohren besitzen könnte. Die Drei gehen einfach ein Stück in den Dschungel. Nahe genug hinein in die grüne Lunge ihrer Welt, um nicht gehört oder beobachtet zu werden. Doch weit genug von den Kreaturen entfernt, vor denen sich jeder Menschen und auch die Ma-Fag in der Nacht in Acht nehmen müssen. Die Monster mögen dort draußen sein oder nicht. Die hungrigen und zur Verteidigung bereiten Tiere sind es auf jedem Fall.

Hier ist es gut“, spricht der Dorflehrer in die Dunkelheit, worauf Kamyor nickt, was die anderen Beiden nur schemenhaft erkennen können. Der Älteste legt seine knochige Hand kalt auf Banyardis starke Schulter. „Für dich Banyardi habe ich einen Spezialgedanken. Denn du sollst dich mit dem blonden Mädchen anfreunden… Ich habe sie in den letzten Tagen beobachten lassen und ich bin mir sicher, dass ihr Vater auf sie hören wird.“

Sie ist also die Tochter von Murdock…“ flüstert Banyardi erkennend vor sich hin.

Natürlich ist sie dass“, raunt Masiyo Fleming an. „Wir haben doch gestern darüber gesprochen!“

Vorsicht! Denkt es da in Paul Fleming/Banyardi. Zwar teilen wir einen Körper in dieser Welt, doch ich weiß nicht, was die letzten Tagen geschehen ist… Wieso nur habe ich keinen Zugang auf Banyardis Erinnerungen?…

Aber wieso ich?“, bringt Paul verwirrt hervor. „Gerade sie hat doch gesehen wie ich ihren Beschützer getötet habe! Wäre es nicht klüger gerade mich als Kundschafter von den Mi-Cock weg zu schicken?“

Leise“, ermahnt Kamyor den Jungen mit den zwei Seelen. „Wir haben dich genau deswegen ausgewählt. Weil sie gesehen hat, dass du dazu fähig bist zu kämpfen und zu töten… Die Mi-Cock sind ein körperlich überraschend starkes Volk.“

Auch wenn sie in Gefangenschaft und mit weniger Nahrung diese Kraft verlieren werden“, wirft Masiyo ein.

Möglich“, fährt Kamyor fort. „Dennoch scheinen sie im Herzen Krieger zu sein. Und Krieger verstehen oft nicht die Kunst der Verhandlung. Jedoch auch nicht der Intrige… Sie hat Respekt vor dir… Denn sie sehen dich auf einer Ebene mit ihnen… Da bin ich mir sicher… Kümmer dich um sie.“

Bei den Worten: „Kümmer dich um sie“ kam Paul, der echte, verschwitzte, wenig glamouröse und gar nicht kriegerische Paul Fleming zu seinem sexuellen Höhepunkt. Er war wieder in seiner Wohnung. Wieder alleine. Wieder. Ein Niemand. Unter Niemanden.

Nach einem Blick auf die Uhr – lächerliche 13 Stunden waren vergangen seit er nach hause gekommen war – und einem tiefen Schluck aus der Wasserflasche, blickte er, wie Menschen es in diesen Tages unbewusst machen, auf sein Handy.

Katha hatte ihm eine Nachricht geschrieben, in welcher sie sich für DIESEN Abend verabreden wollte; und Paul hatte darauf mit „Ja gerne“, geantwortet. Wenigstens stand das hier so. Auf seinem Display. Wobei sich Paul nicht daran erinnern konnte… Er war doch ständig in der Welt der Mi-Cock und Ma-Fag gewesen… Oder etwa nicht?… Wahrscheinlich… War er… Kurz wach gewesen… Und hatte vergessen, wie er sich mit Katha verabredet hatte… Vor gerade einmal 2 Stunden…

Wie konnte er so etwas vergessen?

Pauls Kreislauf klappte zusammen. So wie der Donner eines aufziehenden Gewitters, eine Grundschule zum Schweigen bringt.

Psychische Probleme bei der eigenen Hochzeit

Grundsätze der Physik: Ein Körper kann nicht an zwei Orten gleichzeitig sein.

Vorab hätte ich mir nicht gedacht, was für ein Stress so eine Hochzeit ist. Genauso wenig hätte ich erwartet, dass ich jetzt, ein paar Tage nach der Feier, wegen psychischen Überlastungsproblemen krankgeschrieben sein würde. Starke Burnout-Symptome hatte ich zuletzt vor über einem Jahr und ich war tatsächlich auf einem guten Weg, wieder richtig gesund zu werden, jedoch… Wieder einmal war es die Mischung aus Arbeitsstress und privaten Aufgaben, die mich über meine Grenzen brachten. Dabei hatte ich das auf der Arbeit kommuniziert. Mehrmals war ich dort lautstark in Erscheinung getreten und donnerte, dass es nicht funktioniert wenn man eine ungelernte Arbeitskraft „mal so kurz über dem Sommer“ (unserer Hauptsession) in meinen alten Arbeitsbereich stellt, während ich einen anderen mache und dennoch meinen alten Arbeitsbereich vorbereiten soll. Bei Sortenwechsel umstelle. Und schließlich die Anlagen reinige. Denn alleine dass kam jeden Tag auf etwa 4 bis 5 Stunden, zu meiner eigentlichen Arbeit, die ein Vollzeitjob ist. Und man kann auf Dauer nicht 12,5 Stunden in 8,5 Stunden Tageswerk pressen. Denn Überstunden waren zwar eine Option, nur hilft es nicht mit Überstunden zu argumentieren, wenn ein Arbeitsbereich in den anderen greifen muss, da es sonst zu Verzögerungen kommt. Zudem bin ich Hygiene-Arbeiter und ich kann mich nicht einfach so durch den Tag schludern. Denn die von Vorgesetzten hingeworfene Aussage „Mach mal schnell“ ist nicht mit Sauberkeit vereinbar. Hygiene hat keine Grauzone. Entweder etwas ist sauber – oder nicht. Und dann zu argumentieren: „Hey, ich war gar nicht vor Ort sondern woanders“ hilft nicht. Es ist doch dein Arbeitsbereich, oder?

Am Ende habe ich meinen Vorgesetzten nur noch angeschrien: Dass er keine Ahnung von der Arbeit habe. Wie ein General hinter den feindlichen Linien, der erst mit Stundenlanger Verspätung erfährt, was an der Front geschieht. Manche Vorgesetzte. Wollen nicht sehen. Dass ihr Plan mehr Wollen als Möglichkeit ist.

Und dann die Hochzeit. Ich habe mich sehr darauf gefreut verheiratet zu sein. Und ich bin das jetzt auch. Nur der Weg dahin ist schon ziemlich steinig und schwer wenn beide Partner Vollzeit und der andere auch noch mit 24 Stunden-Schichten arbeiten. Da gibt es nun einmal selten die Option dass man vormittags zum Konditor gehen kann wegen der Torte, da die Konditoren nur vormittags arbeiten. Nicht zu vergessen die Details, die dann wieder hinzu kommen, wie dass man ein Brautpaar für die Torte selbst suchen muss, da dieser Konditor mit der speziellen Torte das nicht anbietet. Überhaupt: Diese ganzen Details bei einer Hochzeit sind der Wahnsinn. Jeder will (ganz Instagram like) individuell bei seiner Hochzeit sein. Wir eigentlich nicht. Wir wollten nichts großartiges. Aber trotzdem scheint sich der Markt für den „schönsten Tag im Leben“ dorthin entwickelt zu haben. Es wie Lego für romantische Irre: Alles folgt einem Detail, einem Detail, einem Detail… Von Lieferproblemen für Hochzeitssackos oder was weiß ich ganz zu schweigen (davon abgesehen, dass wir auf dem Land leben und nur dann in die Stadt kommen, wenn alle am Einkaufen sind, abends, nach der Arbeit…). Insgesamt ist das ehrlich gesagt nichts dramatisches. Doch wenn beide Partner Vollzeit arbeiten, werden aus den Details kleine Berge, hinter denen noch mehr Berge stehen, viel größere sogar, die man erst nicht sehen konnte – obwohl sie höher sind als die Erhebung davor.

Wir machten an einem Wochenende die Trauung mit Familie. Am zweiten, die Party für die Freunde. Es war Beides sehr schön. Und bei der Trauung war noch alles paletti. Es war vielleicht ein zu heißer Tag, doch wir freuten uns über die Sonne, über das Gelingen unserer Pläne und sogar über die Familie. Es war keine große Eventhochzeit. Doch wer meinen Blog ein wenig kennt weiß, dass ich genug „Events“ im Leben habe. Ich führe ein gutes Leben, in dem viel mit Party und Freizeitaktivitäten geschieht. Und wenn man dann mal an der Hochzeit keinen berühmten oder berüchtigten DJ oder Band hört, sondern nur in ein teueres Hotel geht, dann ist das kein Schaden, sondern der Verzicht auf etwas was man ansonsten eh macht, und immer noch mehr als sich viele Leute leisten können.

Mitte der Woche haute es mich dann aber psychisch um.

Vielleicht lag es auch mit an meinem Junggesellenabschied, wobei ich da im Nachhinein nicht zu viel hineininterpretieren will. Fest steht aber: Den auch noch fast spontan organisieren zu müssen, hat meiner Psyche nicht geholfen. Seitdem war alles irgendwie doppelt belastet. Und es fühlte sich alles undankbar an. Nichts was ich tat wurde dem gerecht, wie es sein sollte. Dieser Gedanken kam aus mir selbst heraus. Zudem ist er einer meiner Grundprobleme, die (siehe Psychotherapie) in meiner Kindheit verwurzelt sind. Ich. Das ungeliebte, vergessene, letzte Kind, dass allen irgendwas beweisen will – und doch nur getadelt wird. In schwachen Momenten kommt das einfach wieder hoch. Wenn man dann den ganzen Tag nur am Rennen, Rennen und Rennen ist, um in der Arbeit und danach sich und anderen etwas beweisen will, und man ständig das Gefühl hat niemals anzukommen, dann macht es irgendwann einfach mal „Knacks“. Ich verlor absolut den Boden unter den Füßen und litt an einem starken Erschöpfungssyndrom. Ich kam dann auch gar nicht mehr wirklich auf die Beine, obwohl die anstehende Hochzeitsparty für Freunde ein glatter Erfolg für alle Gäste war – nur für mich leider nicht ganz. Die Menschen sahen in meinen Augen und in meinem Verhalten, wie schlecht es mir ging und taten das Schlimmste, was man mir antun kann: Sie hatten Mitleid mit mir. Ich weiß, das klingt seltsam. Denn es waren und sind meine Freunde, die mir etwas Gutes tun wollten. Und doch gab mir diese übertriebene Freundlichkeit und die Aufbauversuche eine Weile lang ziemlich den Rest. Es war einfach peinlich und erniedrigend, dass sie es sehen konnten, wie ich die Kontrolle zu verlieren schien. Und dabei hatte ich mich doch für so einen taffen Typen gehalten. Am Morgen nach der Party hab ich nur noch geheult… Obwohl die Party selbst ein Erfolg war. Auch für mich. Ich überwand mich sogar noch mein DJ-Set auf meinem DJ-Controller im Garten zu spielen (Burnout-Symptome hin oder her, ich hatte mich so lange darauf vorbereitet; ich sage absichtlich immer SYMPTOME, da ich nicht an einem alles zersetzenden Burnout litt, denn dass wäre eine ganz andere Nummer gewesen) und unseren Freunden schien es auch nicht nur aufgesetzt viel Spaß zu machen, nein, sie warfen sogar im Garten ihre Schuhe in die Ecke und tanzten teilweise barfuß in dieser kalten, Sternenklaren Sommernacht zu meiner Musik. Wieder war mir ihr Wohlwollen eher peinlich – auch wenn ich unglaublich dankbar dafür war. Das hat mir sehr viel bedeutet. Dass mich die Leute unterstützt haben. Ich weiß, was Freundschaft ist. Aber selten war es mir so wichtig, wie in diesem Moment.

Jetzt sind beide Hochzeitsevents vorbei. Was bleibt sind schöne Bilder. Meine Frau sieht traumhaft auf. Und ich konnte durch mein Beisein ihre Schönheit schmücken. Wir haben überschwängliche Hochzeitsvideos, Grußbotschaften, die meine Freunde uns schickten. In denen ich mehr Freude lesen kann, als in jeder mit Herzchen voll gekleisterten Messenger- oder Whatsapp-Nachricht die wir später bekamen. Das war auch wichtiger als all das Geld was wir bekamen. Witziger Fun-Fakt: Ich hatte nie damit gerechnet überhaupt Geld zu bekommen. Mir war klar, dass ich bereit war für das Vergnügen meiner Freunde locker 1000 Euro auszugeben, aber dass sie mir fast genauso viel schenken würden. Damit. Hätte ich nicht gerechnet.

Am Ende habe ich alles so bekommen wie ich es wollte, auch, wenn ich nicht der war, der ich sein wollte. Es war nicht unsere Party für uns. Sondern unsere Party für andere. Und das war okay. Und süß. Wie mein bester Freund (obwohl ich nichts von solchen Wertungen halte, doch in diesem Zusammenhang und der Mühe die er sich machte, hat er den Titel verdient) aufgeregt eine kleine Rede für uns hielt. Das sind Dinge, die ich nicht vergessen will. Die guten Sachen. Vielleicht bleiben am Ende wirklich nur die guten Erinnerungen übrig. Und über die schlechten Ding kann man später eh immer Lachen.

Was soll ich nach der Geschichte anderen Leuten bieten, die ebenfalls unter großem Stress bei solchen Events stehen, was sicherlich sehr viele sind: Nichts. Es hilft halt auch nichts wenn man sagt: „Nimm es nicht so schwer. Reg dich nicht auf. Alles wird gut.“ Leider. Reichen solche Worthülsen nicht. Ich habe nichts was ich euch mitgeben kann und das ist auch okay so. Ihr müsst damit selber klar kommen und wenn ihr das alleine nicht schafft, dann sucht euch Hilfe. Es ist keine Schande. Es ist keine Schande den Menschen an eurer Seite, mit dem ihr euer ganzes Leben verbringen wollt damit zu belasten, noch eure Familie, oder eure Freunde. Klar. Es wird nicht jeder Verständnis dafür haben. Wenn ich mit meinem Vater darüber sprechen will, dann ist es so, als würde ich eine andere Sprache sprechen. Er versteht absolut nicht was ich ihm sagen will. Aber das ist okay. Findet eure Leute, die die gleiche Sprache sprechen wie ihr – und ich bin mir sicher, ihr werdet sie finden. Ihr seid nicht alleine. Und eine Hochzeit MUSS auch nicht der schönste Tag im Leben sein. Das Produkt eurer Liebe ist die Hochzeit, nicht umgekehrt. Und am Ende wird hoffentlich auch für euch ein Tag zurückbleiben, den ihr jedes Jahr wieder gerne feiert. Das ist wichtiger als all der Perfektionismus, die irgendwelche Fakeprofil von verstellten, optimierten und vielleicht sogar gecasteten Leuten im Internet euch glauben machen wollen. Niemand ist perfekt. Nur die Liebe die ihr zueinander spürt, sollte es sein.

Mein Junggesellenabschied mit Dixon in München und im Barfly Augsburg

Es war nicht zu erwarten, dass ich an meinem Junggesellenabschied mit Bauchladen oder Tutu durch deutsche Innenstädte oder ICEs ziehen würde. Scheiße nein. Warum seine Würde abgeben, wenn man heiratet? Ich wendete mich einfach an den meiner Freunde mit dem meisten Vorstellungsvermögen. Und ja, ich meine Geld. Zudem ist er mein ältester Freund, der nicht damit aufhören kann, mich seinen „besten“ zu nennen. Was kann da schon schief gehen?

Freund: „Ich kenn da ne voll geile Prostituierte über meinen Dealer, die für uns strippen kann!“

Ich: „Na ja. Ist ja sonst nicht soooo meins. Aber was soll´s? Ist ja nicht ein Tag wieder andere auch.“

Freund: „Okay. Koks und Stripperin!“

Eine Woche später.

Freund: „Ja das mit der Stripperin wird wohl besser nichts. Da hat meine Frau was dagegen!“

Ich: „Ähm. Okay…“

Freund: „Aber ich pack uns zwei Tussen in die Limo, die ein wenig ihre Ocken zeigen.“

Ich: „Okay… Warum nicht?“

Freund: „Cool.“

Eine Woche später.

Freund: „Jaaa… Das mit den Tittenweibern geht auch nicht… Hat meine Frau auch was dagegen…“

Ich: „Aha.“
Freund: „Muss ja nicht sein…“

Noch eine Woche später.

Freund: „Du, der Dave ist krank. Da sind wir eh nur 4 Leute, brauchen wir keine Limo! Ich fahr zum Bahnhof! Cool easy!“

Ich: „Wie? Dave ist krank? Das ist aber schade. Scheiß auf die Limo. Aber meine Freunde hätte ich gerne dabei gehabt…“

Ein Tag später.

Freund: „Wohin willst du denn zum Essen gehen?“

Ich: „Ach. Nichts großartiges. Murphys Law. Da bekommt man was zu Essen und zu Trinken.“

Freund: „Ja locker! Da muss ich keinen Tisch reservieren.“

Ich: „Ja… Ähm… Momentchen mal. Ich würde es schon ganz gut finden, wenn da ein Tische reserviert wäre…“
Freund: „Aha…“

Da wurde es mir dann langsam zu bunt. Ich wusste, dass Dixon in einer kleinen Open-Air-Bar im Münchner Olympiapark auflegen würde. Und schlug dass dann vor. Mein Freund: „Klar. Organisier dass doch mal. Ach. Und Koks gibt’s gerade keins. Willst du nicht lieber Pep?“

Ich: „Ich wollte eigentlich dieses Mal gerade kein Pep… Das ist immer so anstrengend. Und du weißt doch, dass ich ein Problem damit hatte… Aber wenn´s sein muss.“
Freund: „Dann kommst du vorher bei mir vorbei. Wir ziehen was und dann fahr ich zum Bahnhof.“

Ich: „Ich finde es eigentlich nicht so cool wenn du druff fährst.“

Freund: „Ach… Den Bullen fahr ich einfach davon…“

Eine Stunde später.

Ich: „Du. Ich hab darüber nachgedacht. Also bevor du uns druff in der Gegend herum fährst, fährt lieber meine VERLOBTE. Denn die will auch jemand haben der nicht vor der Hochzeit verunglückt!“

Freund: „Cool. Sie soll fahren.“

Und schon zu diesem Zeitpunkt war ich Bock sauer. Ich kaufte noch ein paar Dosen Mischgetränke und dann ging es los. Ich holte meinen anderen Freund ab (der auch noch Ärger wegen einer anderen Geschichte genau an diesem Tag hatte), brachte dessen Kinder noch zu gemeinsamen Freunden. Raste dann zu meinem „besten Freund“ wo wir noch schnell Pep zogen und meine VERLOBTE uns dann zum Bahnhof brachte, wo mein dritter Freund dazustieß. Ich kaufte alle Tickets für alle und dann fuhren wir los. Im Zug nach München. Yeah. Junggesellenabschied. Die Stimmung war verhalten. Wir tranken noch Alk und zogen noch etwas. Alle gut drauf. Bis auf meinen besten Freund, der schon einen Tag länger wach war und kein Wort sprach. Gar keins. Er war nur körperlich da. Schwitzte. Während die anderen sich um Schadensbegrenzung bemühten. Und ich dachte mir: Scheiß drauf. Das lass ich mir nicht kaputt machen.

Ich manövrierte unsere beschwipsten Ärsche vom HBF zum Olympiapark. Suchte die Location. Und dann ging es los. Wir wippten uns in den Sound ein. Und mein bester Freund stand an der Seite so als wäre er nicht da. Er starrte uns nur hohl an. Und A, der Typ, den wir am Bahnhof getroffen haben, sagte lachend zu mir: „Normal habe ich kein Mitleid mit dir. Aber heute tust du mir echt leid.“ Und so lächerlich es klingt: Diese Feststellung tat in diesem Augenblick unglaublich weh. Eine Nanosekunde lang hatte ich echte Tränen in den Augen. Ich hatte alles organisiert. Meine verdammte Verlobte hatte uns sogar zum Bahnhof gefahren. Zudem regnete es jetzt wie aus Kübeln in der spärlich überdachten Open-Air-Location am Olympiasee. Im Saluti da Capri.

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Der Alkohol und Dixon halfen. Und Zigaretten. Sehr viele Zigaretten. Wir drei anderen tauten langsam richtig auf. Mein bester Freund nicht wirklich. Auch wenn er versuchte guten Willen zu zeigen und ein paar Runden springen ließ. Wir anderen tanzten da so herum und machten das Beste draus. Und dann war es auch gut. Scheiß die Wand an. Wir waren hier. Es war mein verfickter Junggesellenabschied. Den hat man auch nur einmal im Leben. Der Dixon war für seine Verhältnisse auch ziemlich gut. Die letzte halbe Stunde tanzte ich sogar wirklich richtig; nicht dieses Pseudotanzen, wie man es manchmal abspult, sondern ganz versunken in die Musik. Deswegen mache ich das ja seit bald 20 Jahren.

Während die Dixon-Crew und sein Publikum weiter ins „Blitz“ zogen (wo die gleichen Djs weiter auflegen würden), hatten wir vor wieder nach Augsburg zurück zu fahren. Ins Barfly. Der Pächter ist ein alter Bekannter von uns. Und ich so zu meinem besten Freund: „Du hast schon die Gästelisten-Plätze für uns klar gemacht?“ Er so: „Ja für dich und mich.“ „Und die anderen Beiden?“ „Ja ne….“ Ich also Handy raus und dem alten Bekannten geschrieben. Der super nett und freundlich: „Kein Problem. Ich entschuldige mich jetzt schon für die Musik.“ Da musste ich schmunzeln.

Wir also wieder zum HBF, ich als Reiseleiter. Kennt sich ansonsten sonst keiner aus mit den Öffis. Am HBF dann knapp der Zug nach Augsburg verpasst. Der best friend: „Nehmen wir ein Taxi. Ich zahl.“ Eigentlich ne gute Idee. Bis wir eine Stunde oder anderthalb verloren, weil wir im Stau standen. Die Stauumfahrung des Navis funktionierte nicht. Und irgendwann war ich mit den Nerven fix und fertig. Es hatte GAR NICHTS funktoniert. Nichts. Ich war wirkich fertig als wir gegen eins oder halb 2 im Barfly ankamen, dass nur noch bis 4 auf haben würde: Ich bestellte krasse Jägermeister-Runden. Und der eine – von wem kann wohl die Rede sein? – der bis zur Taxi-Fahrt von München nach Augsburg nach München kaum das Maul aufbekommen hatte, faselte Unsinn oder redete lieber mit Türstehern – oder war gar nicht aufzufinden. Es war mir inzwischen egal. Mir war alles egal. Ich ließ es mir einfach nicht nehmen. Da war auch die volle Ladung „Backstreet Boys“ und „Britney Spears“ egal. Wir drei brachten das anständig zu Ende. Und im Taxi zurück ins Kuhkaff ging das wirre Gerede meines besten Freundes weiter. Ich war natürlich auch nicht mehr nüchtern und ließ es gut sein.

Ein paar Schlaflose Stunden später schrieb ich meinem „besten Freund“ eine Nachricht, wie enttäuscht ich von allem war. Dass ich alles selbst planen musste. Und der ruft mich an: Und gibt mir die Schuld. Schließlich hätte ICH den langweiligen DJ ausgesucht! Er hätte ja gar nicht nach München gewollt! Außerdem hätte ich so krasse Nasen Pep aufgelegt! Er wäre einfach nicht klar gekommen darauf. Ich sei der Krasse! Außerdem habe er den Masterplan in der Hinterhand gehabt! Ich hab ihn nur durchkreuzt. ER hätte eine Agentur in der Hinterhand gehabt!

Ich so: Als du nicht einmal einen Tisch im Murphys Law reservieren konntest, habe ich mir einfach Sorgen gemacht. Das war immerhin drei Tage vor dem Junggesellenabschied. Den Dixon hatte ich damals in Paris nicht gehört. Zugegeben. Warum auch nicht? Ist doch mein Tag. Da kann ich doch den DJ hören, den ich hören will! Und welche Agentur stellt innerhalb von drei Tagen einen Junggesellenabschied auf die Beine, wo man Nachts sicherlich noch ins Barfly gehen würde, was er fest eingeplant hatte? Und ich habe ihm keine einzig Line gelegt. Die zuhause hatte er sich selbst gemacht, auch die im Zug. Zwar hatte ich das Pep ausgebreitet ja, aber ich hatte auch die Verpackung viel zu weit aufgerissen und war deswegen damit beschäftigt, das überall herum pudernde Pep in einer Tempoverpackung zu retten, als er sich seine Line machte und zog. Ich machte mir meine erst danach… Es war einfach alles gelogen.

Und er. Ein unfähiger Trottel.

Das ist dabei nicht einmal überraschend, wenn man seinen ständigen Lebenswandel kennt. Wenn man aber die ganze Zeit als „bester Freund“ tituliert wird. Hätte man sich ein wenig mehr erwartet. Einfach. Irgendwas. 

Greenfields Open-Air-Festival in München. Es war der 08.07.2018

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Das Problem bei einem Sonntagsfestival sind die Tage danach: Absolute Zerstörtheit. Schließlich ist man keine 17 mehr. „Siebzehn“ ist in diesem Fall keine willkürliche Zahl, denn schließlich bin ich einer der Wenigen, der 2001 auf dem ersten „Greenfields“ auf der Pferderennbahn in München/Riem dabei war. Schwer zu sagen ob man darauf stolz sein soll oder sich schämen müsste. Zur Zeit um die Jahrtausendwende waren diese „Sven Väth“-Sonntagsfestivals gerade in Mode. Sven legte auf ner Burg auf, Sven legt in ner Kiesgrube auf, Sven legt an nem See auf; natürlich auch auf dem „Love Family Park“ oder eben bei uns in München. Wo wir. 21 Jahre alt und ordentlich durch geraved, das Prinzip von solchen Tagesveranstaltungen noch gar nicht ganz verstand. Okay. Da war der Sven. Kennt man. Wegen dem ist man da. Guter Typ. Und er war der einzige der seine Platte drehen lies, bis auf einen oder ein paar Münchner Locals im Vorprogramm. Doch was sollte das mit dieser Sonne? Mit diesem freien Himmel? An einem Sonntag? Warum nicht einfach Techno-Keller oder altes Heizkraftwerk, wie sonst auch immer? Daran war doch nichts falsch gewesen…

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2018 gibt es das „Heizkraftwerk“ auch schon seit 15 Jahren nicht mehr – und das „Greenfields“ hat statt einem Floor gleich drei. Der Sven kommt aber immer noch. Wie in jedem Jahr. Auch wenn seine Sets für meinen Geschmack immer unspektakulärer geworden sind. Er hat noch diesen Spirit die Massen zu begeistern, leider fehlt es ihm aber an der gewissen Verve, dem unbedingten Willen. Er scheint etwas zu sehr in sich zu ruhen, ein wenig zu satt zu sein. Zwar sind da noch immer die famosen Einzelaktionen, das Begeisternde, dass er mit sich bringt. Am Ende aber ist er ein Schatten seiner selbst, wenn man ihn früher kannte.

2018 ist DJ-Altmeister Väth gut vergleichbar mit der deutschen Nationalmannschaft.

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Es hat ja auch seine Vorteile, dass der Sven nicht mehr alles alleine machen muss. Gerade eben richtig zur letzten halben Stunde von Kollege „Kölsch“ schlugen wir an der Mainstage auf. Der dänischer Kompakter hat mir schon auf dem „Contact Festival“ gut gefallen. Nicht zu langweilig. Nicht zu knüppelig. Schöne Töne. Verknarzte Flächen. Macht er richtig gut, der Mann mit dem furchtbaren Hut.

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Allzu viel mehr bekamen wir dann auch nicht mit. Ich fand mich zum Set von „Maceo Plex“ in der Sonne wieder. Im Liegestuhl. Die Frauen schwenkten ihren Aperol im bauchigen Echtglas. Wir chippten uns den Jägermeister rein. Große Gesten. Viel zu lautes Lachen. Peinliche Fotos. Und die Frage, wann Techno denn nun wirklich starb. Damals, als es zum ersten Mal was ZU ESSEN auf nem Techno-Festival gab. Oder jetzt, als die AOK original einen Stand auf dem Greenfields hatte. Verkehrte Welt – gekreuzte Gläser. Schön mit den Freunden in der Sonne.

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Und dann geht es weiter im Selfie-Wahn, rüber zur nächsten, schattigen Bühne, wo der Blick trotz überteuerter Getränke immer trüber wird und die Frage, ob das schon Matthias Tanzmann ist, mit „Maya Jane Coles“ beantwortet wird. Getanzt haben wir eh nicht wirklich, den ganzen Tag über nicht. Es war mehr so ein Hin-und-Her-Schmofen, wo man bei der halb abgerauchten Kippen schon an das nächste volle Glas dachte, und umgekehrt. Schlagartig, ohne wirklich zu wissen wie man dorthin gekommen ist, lagen wir dann auf DER DECKE auf dem grünen Hügel und quatschten die Leute zu. Der Torsten aus Niedersachsen war da. Später das Pärchen aus Tirol drüben beim dritten Floor. Und noch einer von sonstwo, bei dem ich mich bei aller Liebe wirklich nicht mehr daran erinnern konnte, was für einen Schwachsinn ich an den armen Kerl hin gelabert habe – egal. Lauter nette Leute von sonst wo her, wo ich mir gar nicht erklären konnte, warum die an einem fuckin Sonntag in München sind. Und alle sagten: Weil die Leute hier so nett und chillig sein. Baffheit von meiner Seite aus. Das ist zum Glück nicht mehr das München meiner Jugend, als die musikalische Qualität mir viel wichtiger war als die dort kennen gelernten Leute, da diese sich tatsächlich oft für was besseres hielten. Wir aus Nähe Augsburg waren für die immer der eigentliche Techno-Strich gewesen. 2018 hatten sich alle lieb.

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Rodhad“ bolzte mir ein wenig zu sehr. Bis wir uns alle dann doch natürlich wieder drüber beim Sven trafen. Sven Väth wie immer; Kleiner Mann ganz groß. Und dann war der Tag auch schon wieder vorbei. Hat wie immer sehr viel Spaß gemacht. Vermutlich nächstes Jahr wieder. Warum auch nicht?

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Erst am nächsten Tag, als ich die Fotos auf dem Handy durch flippte, wurde mir klar wie viele Bilder ich von uns geschossen hatte. Zahlreiche Lichtbilddokumentationen davon, wie wir immer mehr in den Suff abglitten und dabei sichtlich Spaß hatten. Gewagte These: Selfies und Gruppenbilder mit Freunden sind die eigentlichen Umarmungen in den ersten zwanzig Jahren des neuen Jahrtausends. Festgefroren auf des Displays unserer digitalen Rechtecke. Und bei aller Kritik: Irgendwie ist das doch auch was Tolles.