Hans Söllner und Böhse Onkelz – Verschwörungstheoretiker in Zeiten der Krise

Es ist ganz gut in diesen Tag die Schriftstellerei als Hobby zu haben. Jeden freien Tag schreibe ich an meinem neuen Buch „Stereotyp“. Einmal in der Woche versuche ich einen passablen Blog-Eintrag zu schreiben. Das Wichtigste ist dabei, Spaß am Schreiben zu haben. Diesen einmal-in-der-Woche-Gedanken hatte ich schon vor Corona. In Corona-Zeiten ist es nur schwer, sich nicht aufzuregen und den Spaß wirklich zu finden. Es geht uns doch allen gleich. Wir haben verlernt Langeweile auszuhalten und scrollen viel zu viel durch das Handy. Und. Posten und teilen komisches Zeug.

Viele Jahre hatte ich absichtlich Facebook-Freunde, mit denen ich nicht die gleiche Meinung teile. Anfangs waren das mehr entfernte Bekannte, mit denen man nicht viel zu tun hat. Facebook-Freunde. Keine echten Freunde halt. Mit der „Flüchtlingskrise“ bemerkten viele von uns, dass sie (auch gerade über die „sozialen“ Medien) auch nicht die Meinung von guten, echten Freunden teilen. Das muss man aushalten. Das ist Freundschaft. Und das musste ich lernen. Nicht aushalten muss aber nicht, wenn die irgendeinen Quatsch posten. Dazu kann man sich äußern. Öffentlich und privat. Auch das ist Freundschaft, die die anderen aushalten müssen. Zurzeit jedoch kicke ich viele Freunde raus oder schalte sie auf stumm. Manchmal ist es einfach zu dumm oder anstrengend. Wie gesagt. Meinung darf und sollte jeder haben. Ich muss mir das aber nicht geben, wenn es zu abdreht ist.

Hans Söllner war so etwas wie der Held meiner Jugend. Ein Mann, der sich was traut. Ebenso wie die Böhsen Onkelz. Ebenfalls „die Band, die sich traut Dinge auszusprechen, worüber andere nur schweigen“. Als Jugendlicher hat mich das sehr beeindruckt und geprägt. Ich bin tatsächlich jemand geworden, der offen seine Meinung äußert und sich deswegen einige Türen verbaut und Freunde verloren hat. Deswegen werde ich nicht gleich als Held gefeiert wie die Onkelz und der Söllner (kennt man den außerhalb Bayerns überhaupt noch?). ich bin einfach nur ein Typ. Irgendein Kerl. Ich lebe mit meinem Image. Verdiene aber nicht daran, wie die Onkelz, die sich dem absolut verlogenen Ausverkauf hingegeben haben (siehe Band reunion. Verarsche der eigenen Fans). Oder Hans Söllner. Mit dem es das Finanzielle nicht annähernd so gut gemeint hat. Da gibt es interessante Dokus und Youtube Videos. Schaut mal rein, wenn ihr wie ich Jahrzehntelang den Söllner aus den Augen verloren habt.

Der Söllner lebte immer von seinem Image, nicht anders zu können. Und ich glaub ihm das sogar. In vielen Dingen der Meinungsfreiheit war er ein Vorreiter. Er bestand darauf seine Meinung vertreten zu dürfen und hat sich selbst damit finanziell ruiniert. Davor kann man jetzt Respekt haben oder ihn auslachen. Das steht jedem frei. Dieser Aspekt ist auch nicht das Thema meines Textes. Und ich will vorweg gleich sagen, dass ich dem Mann nichts Böses will. Wie gesagt. Er glaubt sicherlich zu denken, er könne nicht anders. Genauso wie er sich Jahrzehnte lang für das Kiffen eingesetzt hat, bevor es en Vogue war. Ich mag weder Kiffer noch kiffen an sich (dann nehmt doch gleich LSD wenn ihr was LERNEN wollt), er hat das aber durchgezogen mit all dem Gegenwind, den es in einem Freistaat wie Bayern geben musste. Wie gesagt. Dafür kann man Respekt haben oder ihn beschimpfen. Er selbst sagt, er habe inzwischen mit dem Kiffen aufgehört: Mir doch egal ob der kifft oder nicht.

Auf Hans Söllner bin ich durch Facebook wieder aufmerksam geworden. Ist schon ein paar Jahre her. Dort wurden seine Statements geteilt und ich war nicht wenig überrascht, als er sich als Impfgegner präsentierte. Ich finde das tatsächlich ziemlich lächerlich. Denn auch wenn Impfen natürlich gefährlich sein kann (kein Medikament wirkt bei allen Menschen gleich), haben uns die Impfungen an sich ziemlich den Arsch gerettet. In Zeiten von Corona hört man auch überraschend wenig von den Impfgegnern. Hm. Genauso wie sich die öffentliche Meinung zu Dietmar Hopp recht schnell geändert hat… Und ich denke mir halt, okay, das ist nicht besonders helle Herr Söllner. Er hat dann genauso argumentiert, wie er immer argumentiert: Man solle nachdenken und sich nichts vorschreiben lassen. Darüber musste ich leise schmunzeln. Hier geht es ja nicht darum eine faschistische Rassentrennung abzuschaffen oder gleiche Bezahlung für alle Geschlechter. Ne. Es geht um Impfungen. Es ist mir nie in den Kopf gegangen, warum das ein Streitthema geworden ist.

Mit Corona habe ich es verstanden. Denn auch jetzt plädiert Hans Söllner auf Facebook dafür, sich nicht an Verbote zu Halten und Rauszugehen. Verstehe ich nicht. Der Söllner ist wie ich Bayer. Noch dürfen wir draußen spaziergehen. Oder verstehe ich da was falsch? Dann fabuliert er davon, dass Leute die keine Angst haben, anderen Angst machen. Ich sag es zum 1000sten Mal: Meine Frau ist Arzt. Die arbeitet in diesen Wochen quasi an der Front. Für uns alle. Und wusstest ihr, dass in Italien schon 60 Ärzte und 2000 Leute in der Pflege an Corona gestorben sind? Meine Frau hatte die Zahlen und das wären dann in etwa ein Viertel aller Corona-Toten in Italien. Klar machen wir uns Sorgen. Aber Angst? Die Menschen haben weniger Angst, als der Musiker sich das vorstellt oder uns attestiert. Man kann auch Angst mit Vernunft verwechseln. Der Herr Söllner hat immer vor den gleichen Dingen Angst. Dass DIE DA OBEN mit uns machen was sie wollen. Aha. Ich glaube nur, kein Politiker in Deutschland will eine Ausgangssperre. Weil die sind eh mehr oder weniger von der Wirtschaft gekauft (siehe Wählerstimmen). Das schadet den Politikern nur. Und Söder dann mit Orban vergleichen Herr Söllner. Geh bitte. Warum nicht gleich mit Hitler?

Das Söllner-Problem ist die Söllner-Methode: Die da oben haben Unrecht. Der kleine Mann hat Recht. Und das ist Quatsch, wenn man sieht was „der kleine Mann“ so wählt und denkt. Pauschalisierungen helfen da halt nicht. Ich bin auch kein Freund von Markus Söder. Der hat sich auch nie dafür beworben, man of the year zu werden. Dennoch halte ich sein Vorgehen für richtig. Es gibt sogar Vergleichsbeispiele. Siehe China und Singapur. Das sind natürlich keine gewählten Demokratien. Das sind Diktaturen. Aber ihr Vorgehen hat funktioniert. Wahrscheinlich auch deswegen, weil es dort keine Defätisten gibt, die in Krisenzeiten gegen das Allgemeinwohl schießen. Ich habe auch erst ein Video gesehen von diesem KenFM-Typen. Der hat sich original ein Gitter vor die Kamera gestellt und gesagt, man dafür nichts mehr sagen. MAN DARF ALLES SAGEN! Man oder frau dürfen halt auch darauf antworten. Es ist vollkommen richtig Politiker eines Landes kritisch zu betrachten, die eine Notstandsgesetzgebung in Kraft treten lassen. Es sollte jedoch auch hinterfragt werden, ob das sinnvoll ist. Und ja. Der Mainstream kann durchaus im Recht sein. Mainstream macht nicht zwangsläufig alles falsch. Man muss differenzieren können. Es geht nämlich nicht nur um die Corona-Toten selbst. Es geht auch darum, wie viele Menschen sterben müssen, weil es Corona gibt. Nicht verstanden? Schon jetzt, wo unser medizinischen System noch nicht zusammengebrochen ist, sterben Menschen WEGEN Corona. Nicht AN Corona (das aber auch). Wichtige Operation werden schon jetzt nicht mehr gemacht. Da wird dann gesagt okay. Der Mann/die Frau ist über 80, da machen wir die Operation nicht mehr, da wir Kapazitäten freihalten müssen. Ich hab das aus erster Hand. Schon jetzt wird selektiert. Und wenn das große Sterben erst einmal losgeht (wir hoffen alle, das es nicht geschieht), werden nicht mehr nur die Leute an Corona sterben, es sterben auch die, die nicht behandelt werden können, da wegen Corona die Kapazitäten erschöpft sind. Es geht schon lange nicht mehr wer direkt an Corona stirbt. Noch mal: Es sterben Leute wegen Corona, obwohl sie es gar nicht haben.

Aber immer alles in Frage stellen. Immer alles anzweifeln. Das ist das Lebensmodel von Hans Söllner. Die Masse ist dumm. Man selbst Im Recht. Das typischen Bild eines Verschwörungstheoretischen Kiffers. Ein alter weißer Mann. Der Recht haben will. Und wichtig sein will. Hier geht es schon lange nicht mehr um „Aufstehen“. Auch nicht um Vernunft. Mein Blog heißt ja „Strategien gegen Vernunft“, da ich mal ein Buch geschrieben habe mit der Forderung, man möge doch bitte die gängige Vernunft in Frage stellen, um zu einer besseren, neuen Vernunft zu gelangen. Heute liest sich so ein Wunsch wie ein ad absurdum. Die neue Vernunft scheint nämlich nur der eigene Egoismus zu sein, da keiner der alten weißen Männer bereit ist, seine Position zu hinterfragen oder zu ändern. Seien es die Obrigkeitshassenden Kiffer. Oder die Friday for future beschimpfenden Leute, die alle, die den Planeten retten wollen, als Wahnsinnige und Naivlinge darstellen. Die neue Vernunft scheinen Fake News zu sein, die sich an allem orientieren was Gefühl ist. Nur nicht an Wissenschaft und Zahlen (da hat der Benecke neulich ganz schon Eindruck hinterlassen).

Die Geister die ich rief. Alter frustrierter weißer Mann. Du bist zu dem geworden, was du am meisten hasst.

In dem Zusammenhang kann mir gerne mal jemand sagen, was die verlogenen Böhsen Onkelz (die Bands die immer so ehrlich war haha) jetzt über ihre „Medien-Schelten“ sagen. Ist ihre in Teilen natürlich auch verständlich Kritik zu den Medien, diese nur lächerlich oft auf jedem Album aggressiv wiederholt haben, inzwischen dazu übergegangen, dass auf ihren Konzerten „Lügenpresse!“ gebrüllt wird? Schreibt so was doch mal in die Kommentare Leute. Würde mich interessieren…

Und weißt du was. Hans. Ich gehe jetzt spazieren. Weil ich das darf. Genauso wie du. Nur hab ich wirklich keine Angst, im Gegensatz zu dir. Und dann. Dann bleibe ich im Haus. Weil ich mir Sorgen um andere Menschen mache. Weil ich das will.

3 Gedanken zu “Hans Söllner und Böhse Onkelz – Verschwörungstheoretiker in Zeiten der Krise

  1. gegenvernunft

    Darum geht das Buch auch. Es gibt keine Stereotypen. Trotzdem sind Kiffer nicht nur einem Klischee nach empfänglich für Verschwörungstheorien

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  2. Da hast Du mal wieder ne Menge recht, finde ich. Nur, um auch mal „Stereotyp“ aufzugreifen: Es gibt keine typischen Kiffer. Das ist ne veraltete Vorstellung.

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