Absolution 47 – Die Wahrheit über die Mi-Cock

„Wir konnten sie nicht in der Schlacht besiegen. Unsere tapfersten und mutigsten Krieger mussten ihr Leben lassen, doch sie konnten sie nur aufhalten. Uns Zeit verschaffen. Ein Sieg war unmöglich. Ein solcher Feind war uns noch nie begegnet. Andere skrupellose Königreiche, die unser Land wollten, jawohl. Doch solche Bestien? Ich weiß was du fragen willst, Paul. Wie sehen diese Bestien aus? Doch diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Und ich weiß, wie verrückt das klingt. Sie müssen doch Gesichter haben. Arme, Beine, eine Körpergröße, vielleicht einen Schwanz! Doch niemand kann es mit Genauigkeit sagen. Nur, dass sie für jeden der sie sieht, ein anderes Aussehen besitzen… Vielleicht macht genau das ihren Schrecken aus? Manche sehen riesige Spinnen, Insekten oder anderes Getier. Andere berichteten von Reptilien, die gebaut waren wie Menschen. Nur vollkommen nackt und… Glitschig. Wieder andere sahen ganz normale Menschen, nur mit pechschwarzer Haut und wulstigen Lippen. Krause Haare. Menschen wie du und ich… Nur… Schwarz…. Die einen erzählten von Feuerfontänen, welche sie spien. Andere sprachen nur von normalen Hieb- und Stichwaffen… Ich weiß nicht ob diese Berichte den eigenen Phantasien oder unzähligen Einzelerlebnissen entsprangen. Vielleicht war alles davon wahr. Vielleicht auch nichts… Ich kann nur sagen, dass wir keine Möglichkeit hatten, diesen Feind zu besiegen. Noch nie habe ich meinen Vater so hilflos gesehen. Er ist ein stolzer Mann, Paul. Jemand, der auf alles entweder eine Antwort weiß, oder zumindest jemanden findet, der sie ihm gibt. Solche Monster kannte nicht einmal er. Keiner von uns. Wir haben nicht einmal einen Namen für sie. Wir nennen sie Monster oder Dämonen. Es gibt keinen Ausdruck für sie, der ihnen gerecht werden würde. Was ist schon eine Bestie?“

„Hast du denn gar keinen von ihnen gesehen?“

„Ich… Ich will nicht darüber sprechen… Mit ein wenig Glück siehst du sie vielleicht nie. Mit ein wenig Glück haben wir dich ganz umsonst hierhergeholt.“

„Und ohne dieses Glück?“

„Ich muss dir nun wirklich von Thorfinn erzählen. Thorfinn war der Sohn von Klove. Sie Beide gehörten unserem Stand von Weisen an. Dabei musst du wissen. Unser Volk teilte sich vor gar nicht allzu langer Zeit noch in drei verschiedene Stände. Wir lebten in Einklang miteinander. Jeder diente dem anderen, doch keiner hätte ohne den anderen überleben können. Jeder hatte in seinem Stand eine genaue Aufgabe, die er zu erfüllen hatte. In diese Aufgaben wurde man hineingeboren. Ehelichungen zwischen den Ständen waren verboten.“
„Wieso?“

„Weil es sich nicht gehört, wenn die Tochter eines Weisen einen Arbeiter heiratet.“

 „Wieso?“

„Ich… Verstehe deine Frage nicht? Es ist so.“

„Und wieso ist es jetzt nicht mehr so?“

„Da unser Volk in dieser Form nicht mehr existiert. Was hier angekommen ist, sind nur noch die Scherben unseres Volkes. Jetzt sind wir alle gleich. Bis wir wieder einen Ort zum Leben gefunden haben, in der sich die Stände neu errichten können. Vor der Flucht gab es für jedes Problem eine Lösung, in Form einer Person. Wie ich schon sagte. Jeder hatte eine Aufgabe. Ein Mi-Cock ohne Aufgabe gibt es nicht. Alles war genau aufgeteilt.“

„Es gab die Weisen, die Arbeiter. Und wer war der dritte Stand?“

„Die Feuerwächter. Sie lebten in den Bergen…“

„Ich hätte jetzt den Adel erwartet. Die Herrscher.“

„Das sind die Weisen. Wer sollte denn sonst befehlen, außer den Weisen? Worüber lachst du?“

 „Ach… Unsere Völker sind sich unterschiedlicher als du dir vielleicht vorstellen magst.“

„Wieso? Erzähl mir von deinem Volk! Ich will alles wissen! Bitte erzähl mir von dir!“

„Öhm… Ach… Erzähl mir zuerst von Thorfinn. Ehrlich gesagt kann ich dir nicht genau sagen, wieviel Zeit mir bei euch bleibt. Ich weiß nicht wie ich es beeinflussen kann, hier zu sein oder gehen zu müssen. Ehrlich gesagt wollte ich bisher immer nur wieder weg… Ich verstehe ohnehin nicht wie das Alles funktioniert.“

„Es ist Magie.“

„Nun. Das ist eine etwas dürftige Erklärung. Denn selbst wenn es so etwas wie Magie gäbe, muss sie nach irgendwelchen Gesetzen funktionieren. Selbst Zauberei hat einen Ursprung, der mit irgendwelchen Umständen verbunden sein muss.“

„Magie ist wie die Sonne. Sie ist immer schon dagewesen.“

„Oh… Glaub mir… Die Sonne ist von meinem Volk gut erforscht worden.“

„Ihr wart auf der SONNE?“

„Ne. Ne, ne. Wir haben sie beobachtet. Den Mond haben wir besucht… Du musst wissen, dass mein… VOLK, ähm die Fähigkeit hat die Erde zu verlassen.“

„Den Mond! Magie!“

„Nein… Es ist… Eine besondere Form von Magie. Vereinfacht gesagt gibt es mehrere Orte wie die Welt in der wir leben. Du hast eine davon gesehen. Ich auf jeden Fall. Als ich deine Kugel berührt habe, sah ich eine weitere Welt, du natürlich auch.“

„Die große Kugel?“
„Genau. Die Sonne ist so etwas ähnliches.“
„Wir müssen sie finden.“

„Wen? Die Sonne?“

„Nein, die anderen Kugeln!“

„Ich… Verstehe nicht…“

„Wir müssen sechs Kugeln finden. Diese hier, ist nur eine davon.“

„Es gibt noch fünf… Wo sind sie?“

„Deswegen haben wir dich gerufen. Du musst mir helfen die Kugeln zu finden!“

„Wie soll ich denn?… Ich hab keine Ahnung wie ich diese Dinger finden könnte.“

„Ist dir irgendetwas aufgefallen als du hierhergekommen bist? Ist dir irgendein Ort besonders vertraut?“
„…“

„Irgendwas?!“

„Tja… Ganz ehrlich… Mir ist nichts aufgefallen.“

„Du wirst es sicher noch verstehen…“

„Was hat das mit dieser Thorfinn-Geschichte zu tun? Und was bringt es alle 6 von diesem Kugeln zu besitzen.“

„Wenn wir alle 6 Kugeln haben, können wir die Dämonen besiegen.“

„Und wie?“

„Das weiß ich nicht. Das hat Klove uns nicht verraten.“

„Wo ist Klove? Ist er bei Thorfinn?“
„Sie sind Beide gestorben. Klove wurde gefressen.“

„Das ist übel. Und Thorfinn?“

„Ich… Ich weiß es nicht… Er ist in ein Licht gegangen.“

„Der Logik aller Filme nach lebt er also noch…“

„Film?“

„So nennen wir unsere Überlieferungen. Wir erzählen sie uns zu unserer Unterhaltung.“

„Thorfinn sollte das Medium sein, durch das wir die Pforte in deine Welt öffnen. Klove wusste wie groß die Bedrohung ist. Er hat sogar seinen eigenen Sohn geopfert… Ban… Paul. Nachdem was ich gesehen habe, glaube ich nicht an ein Überleben von Thorfinn…“

„War auch nur eine Vermutung…“

„Also? Hilfst du uns? Hilfst du dieser ganzen Welt zu überleben? Wenn du eine Belohnung benötigst ich… Ich habe natürlich bemerkt wie du mich ansiehst, und…“

„NEIN! Nein, nein… Ich weiß nicht… Du bist außerordentlich hübsch und… Ich… Ich… Weißt du… Jetzt… Jetzt wo das Ganze irgendwie real geworden ist… Also vorher, bevor ich die Kugel berührt habe… Da… Versteh mich nicht falsch. Du bist unglaublich geil… Aber jetzt… Nicht so… Nicht in der Realität…“

„Bin ich denn nicht nur eine weitere Frau für dich? Eine Wilde?“

„Ja… Und nein… Das warst du. Also du nicht echt für mich warst… Jetzt… Jetzt bist du für mich zu einem Menschen geworden… Ich weiß das klingt bescheuert…“
„Ist es wegen deiner Freundin? Wegen Techno?“

„Was?“

„Du meintest du liebst Techno.“

„Äh nein. Das ist. Das ist Musik. Doch da ist jemand. In meiner Welt… Egal… Weißt du. Irgendwie ist jetzt alles anders. Das alles hier“ Banyardis Arme machen eine ausholende Geste. „Ist plötzlich Wirklichkeit geworden… Du… Du hast mich überzeugt.“

„Also hilfst du mir?“

„Ja… Nur… Wie?“

„Das ist fantastisch! Wir müssen die Kugel finden, die hier im Dorf ist!“

„Hier im Dorf? Ich dachte wir begeben uns auf eine Reise oder so…“

„Das sind wir schon. Wir sind schon auf der Reise die Kugeln zu finden. Oder warum glaubst du ist ein Volk, dass so stark ist in der Gefangenschaft deiner Ureinwohner? Was denkst du warum wir hier sind?“

„Ihr… Ihr habt euch gefangen nehmen lassen?“ „War das denn nicht vom ersten Augenblick an offensichtlich?“