Der Bus, der nicht langsamer werden darf

Dass mit der Migräne, ist anstrengend. Ich habe sie nicht oft. Einmal im viertel Jahr. Spaß macht es natürlich dennoch nicht. Es ist dann ein sehr typischer Verlauf.

 Im ersten Moment an dem ich es bemerke, kann ich einen zentralen Punkt in meinem Sichtfeld nicht mehr fokussieren. Wie eine Art „blinder Fleck“. Bald darauf erscheint ein kleiner „Blitz“. Er schimmert wie ein kleines elektronisches Ikon, dass sich langsam immer weiter und weiter ausdehnt, bis ich gar nichts mehr erkennen kann. Schließlich dehnt es sich soweit aus, dass ich es nicht mehr bemerke: Dann erst kommen die schlimmen Kopfschmerzen. Sobald ich schlecht sehe trinke ich deswegen so schnell wie möglich sehr viel Wasser (meine eigentliche Sünde besteht darin, tagtäglich zu wenig davon zu trinken), wodurch ich teilweise den Migräne-Anfall verhindern kann. Vielleicht sind diese Anfälle auch gar keine echten Anfälle, sondern nur Einbildungen, die durch das Wasser vorübergehen. Vor meinen Augen blitzt und krieselt es eh immer. Ich sehe die Welt schon lange nicht mehr so wie normale Menschen. Doch das ist ein anderes Thema. Es hilft jedoch auch nicht. Sollte nach dem Wasser „der Blitz“ trotzdem erscheinen, folgen die Lösungen der chemischen Industrie. Sie helfen die Schmerzen zu lindern; ich bin ihr sehr dankbar.

Ich bin ein sehr hektischer Mensch. Mich „unruhig“ zu nennen wäre ein Euphemismus. Es ist jetzt aber nicht so, dass ich Migräne bekommen würde, wenn ich mich zu sehr aufrege. Das Gegenteil ist der Fall:Wenn sich mein Körper zu sehr entspannt, sagen wir nach einer Hochzeit, einem Urlaub, der Entbindung seines Kindes oder nach einem Umzug, entspannt sich mein Geist und die Migräne schlägt zu. Einen gewissen Stresslevel brauche ich also um nicht ständig Migräne zu bekommen; zu viel Stress macht mich jedoch auch wahnsinnig und vor allem Schlaflos. Es ist wirklich ein Witz. Egal was ich mache, ich mache mich krank. Außer. Ich halte die Linie. Schere nicht nach links oder rechts aus. Und bin gerade so in der Spur. Dann ist alles gut.

Mich mit dem Bus aus dem Neunziger Jahre Film „Speed“ zu vergleichen, halte ich für mehr als logisch. In diesem Film mit Keanu Reeves muss der Bus mit den Geiseln über 50 Meilen pro Stunde fahren. Ansonsten wird die Sprengvorrichtung des Terroristen ausgelöst und der Bus gesprengt. Fährt der Bus jedoch zu schnell, baut er einen Verkehrsunfall. Spannender Film. Blöde Situation. Mein Leben.

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