Absolution – 32 – Gehen wir noch zu dir?

Sie verließen den Club nicht allzu spät (4 Uhr morgens) und fuhren mit der Bahn zurück. Katha und Paul taten so, als wären sie normale Freunde, während Sarah sichtlich von Miguels Annäherungsversuchen genervt war. Miguel erzählte ständig Geschichten um irgendwie doch noch interessant auf Sarah zu wirken, auch wenn seine Erzählungen an Belanglosigkeiten kaum zu überbieten waren; nur die über Story einer ihm bekannten Lesbe fand echten Anklang und Diskussionsbedarf. Die beschriebene Lesbe sei (laut Miguels dramatischer Darstellung, bei der er nicht aufhören konnte zu betonen, wie absolut wahr die Geschichte sei) ständig schwanger, da sie – Hölle Kleinstadt – ständig mit Typen ins Bett stieg, da es „auf dem Dorf“ keine LGBT-Szene gab, zu der sie sich zählen und von der sie zehren konnte.

Tatsächlich hasst sie Männer mit ihren dummen Schwänzen. Es ist eine megamiese und eklige Situation. Sie ist nur so einsam, dass sie dann doch jeden über sich drüber lässt“, erklärte Miguel Achselzuckend.

Das ist ja wohl das Dümmste was ich jemals gehört habe“, verdrehte Sarah ihre Augen.

Aber es ist wahr!“

Sarah weiter: „Du hast doch gar keine Ahnung wie sich eine lesbische Frau fühlt! Die würde doch niemals! Das ist doch lächerlich! Aus Einsamkeit!“
Katha seufzte: „Ich kann schon verstehen aus sexueller Not lesbisch zu werden.“ Sie lachte noch schnell ein wenig falsch ihrer Aussage hinterher.

Was weißt DU denn davon lesbisch zu sein?!“ ging Miguel Sarah an. „Die Story ist wahr!“

Das ist doch nur eine Männerphantasie!“ lachte Sarah Miguel aus und die Frauen lachten zusammen.

Vielleicht ist das ganze Leben nur einer Männerphantasie“, setzte Paul mit einem schiefen Lächeln hinzu. Worauf nun Miguel zu Lachen begann und Paul, der gar nicht verstehen konnte warum, High-Five geben wollte. Es war wie immer: Keiner verstand irgendwen und alle redeten aneinander vorbei.

Die Umarmung zwischen Katha und Paul war merkwürdig und schön zu gleich. Dann öffnete sich die Zugtüre, worauf Miguel und sie aus Pauls Blickfeld entschwanden. Paul glaubte noch, bevor sich die Türe mit dem typischen mechanischem Rucken schloss, zu hören, wie Miguel sagte: „Ich hab die Alte doch AUCH geknallt!“

Vielleicht. War auch das nur eine Einbildung gewesen.

Puh“, seufzte Paul. Das war ja irgendwie eher beschissen gelaufen.

Ja… Puh…“, meinte Sarah mich hochgezogener Augenbraue. „Du bist´n Idiot.“

Wieder sein schiefes Lächeln. „Ja… Das bin ich wohl…“

Weißt du noch als wir in Stuttgart waren? Bei Carl Cox?“

Klar weiß ich das. Der war suuuper.“

Genau. Was du aber nicht mitbekommen hast, war, dass Katha dich da schon die ganze Zeit wie blöde Angegraben hat.“

Echt? Ja… Ne… Das weiß ich nicht mehr… Das denkst du dir doch gerade aus… Das ist doch… Monate her…“
„Du Idiot. Ich saß hinter euch im Zug zurück, als Katha zu dir sagte, dass ihr zwei doch bestimmt noch zu dir gehen würden. Und du dann so (verstellte Männerstimme) WAS WOLLEN WIR DENN BEI MIR??!!! NENENE! ICH GEHE JETZT SCHÖN ALLEIN NACH HAUSE! ES REICHT JA WOHL LANGSAM MIT FEIERN!“

Wirklich?“ Ein kurzes, echtes Lachen. „Das habe ich überhaupt nicht überrissen…“

Weil du ein Idiot bist. (Pause) Weißt du. Katha ist ein zu gutes Mädchen als dass sie das verdient hätte… Und das wird sie auch nicht ewig mitmachen.“

Die Haltestelle kam und sie stiegen aus.

Du bist´n Idiot Fleming“, sagte Sarah noch während der Abschiedsumarmung. Als sie sich getrennt haben zuckte Paul wieder mit den Schultern: „Ich weiß…“
„Irgendwann wird sie weg sein. Du… Magst sie doch? Oder?…“

Ich mag sie sogar sehr.“

Dann hör auf so ein Idiot zu sein!“

Wirst du mich jetzt immer so nennen?“

Oh ja. So lange bis du die Sache hinbekommen hast. Und hör auf dich ständig zuhause einzusperren. Warum auch immer…“

Ich hab dich lieb.“

Fick dich Paul.“

Lachend und Kopfschüttelnd trennten sie sich.

Auf dem Nachhauseweg war Paul klar wie der Tag weitergehen würde. Der PC und das Speed warteten schon auf ihn. Und trotzdem war er fassungslos darüber, dass er die Avancen Kathas nicht gerafft hatte, sondern heute wie damals nur nach Hause wollte, um weiter in seine Träume zu fliehen. Träume von Katha. Träume von der Zukunft. Träume davon, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Nicht um des Sex willens.

Für die Liebe.

Auf gar keinen Fall würde er in die Welt der Ma-Fag zurückkehren. Für so einen Unsinn hatte er nun wirklich keine Zeit. Er musste sein Liebesleben auf die Reihe bekommen.

Nein. Sein ganzes Leben.

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