Absolution – 30 – Welcher Tag ist heute?

Er wartete bis der ANFALL vorbei war. Ein paar Gläser Wasser. Eine kleine Nase Speed. Schon ging das wieder. An Schlaf war eh nicht zu denken, auch wenn das Treffen mit Katha erst in vielen Stunden sein würde. Und sicherlich würde er nicht nur Katha alleine treffen. Vielleicht war Sarah dabei. Stevo (kannte der Katha überhaupt?) Chris. Sonstwer. Da blieb noch genug Zeit um noch einmal tüchtig über die Katha-Geschichte nachzudenken… Natürlich fasste sich Paul dabei an.

Bevor er spätnachmittags aufbrach, duschte Paul zur Sicherheit zwei Mal um den Geruch von dem Sex, den er mit sich selbst gehabt hatte, los zu werden. Nichtsdestotrotz fühlte er sich schmutzig. Dreckig. Vergiftet von dem, was ihm so viele Stunden so unglaublichen Spaß breitet hatte. Die Ironie war, dass er am Liebsten hier geblieben wäre. Warum sich „in Echt“ mit dieser blöden Katha-Situation auseinandersetzen? Wie könnte man ihn auch lieben? Alles was er in Wirklichkeit brauchte war eine neue Flasche Gleitcreme. Ohne Geschmack. Was bedeutet ohne Geruch: Den Gerüche stören die Träume.

Die Ma-Fag und Mi-Cock hatte Paul totalst vergessen, als er mit panischen Drogenpupillen ausgestattet seine Haustüre hinter sich schloss. Ein müdes Lächeln rang das Baugerüst an seiner Fassade ihm dann aber doch ab.

Verdammt, es war Sonntagnachmittag. Er hatte ein „Date“ mit der Frau die er… Mit der irgendwas war. Im Endeffekt wussten sie es selbst nicht genau. Und er hatte noch keine Minute geschlafen. Paul. Sah erbärmlich aus. Das wusste er. Und er fühlte sich bombig. Noch Megadrauf. Die letzte Line war eine zu viel gewesen. Und die davor. Und die davor. Und die… Okay. Die Viertletzte war wohl mehr als angebracht. Irgendwie muss man doch durch den Tag kommen.

Logischerweise ging Paul nicht gleich zu Katha. Ne. Erst einmal musste er in den Bosporus. Zum Fettsack. Er würde ein paar Teile mitnehmen. Denn. Die könnten sicherlich nicht schaden. Die besten Momente mit Katha hatte er immerhin auf Drogen mit ihr gehabt. Der Fettsack gab sie ihm gerne, nicht ohne den väterlichen Zusatz: „Hol das Zeug lieber bei mir als woanders. Dann bekommst du sauberes Zeug. Nicht den Dreck, den du über 3 Hände bekommst…“ Und nicht ohne sich Auslachen zu lassen: „Es ist Samstag! Du blöder Hund! Nicht Sonntag!“ Selten hatte Paul den bekifften Fettsack so vor Freude Lachen und Weinen sehen. Nicht dass das selten vorkam. Dieses Lachen/Weinen wenn er bekifft war. Nur halt nicht SO sehr…

Paul. War noch mehr neben der Spur als vorhin. Als… Als wann eigentlich? Irgendwas war auch schon vorhin „komisch“ gewesen. Aber jetzt ergab es einen Sinn, dass diese Bauarbeiter am Samstagmorgen an seiner Balkontüre gerüttelt hatten: Es war gar nicht Samstagmorgen gewesen – es war Freitagnachmittag. Sein Verstand hatte ihm einen Streich gespielt. Da war was mit der Zeit durcheinander gekommen. Verwirrt aber glücklich lachte Paul mit seinem tollen Freund, der ihm die Drogen geschenkt hatte. Nur. War dass Paul noch nie passiert. Denn Normalerweise wurde die Zeit auf Drogen immer SCHNELLER. Nicht langsamer… Das hatte er in all seinen User-Tagen noch nie erlebt… Immer war er zu spät. Nie zu früh…

Alter… Geil… Aber…

Bei einem Bier und einer Zigarette dachte er gleich mal gar nicht mehr darüber nach.

Außerdem war Sarah vorhin schon da und hat ein paar Teile geholte“, zwinkerte ihm sein Freund Fettsack zu, während der sich einen Dübel drehte. Fasziniert sah Paul ihm dabei zu. Ganz ergriffen von der Feststellung, dass er es noch nie erlebt hatte, dass der Fettsack zu bekifft war um sich einen Dübel zu drehen. Da blieb die Lust aufs Kiffen immer stärker als die eigene Kaputtness.

Wie? Sarah? Kommt die jetzt häufiger?“ Paul war nicht wirklich überrascht.

Ja“, antwortete der Fettsack mit hochgezogener Augenbraue. „Die KOMMT jetzt häufiger.“ Dass er bei dem doppeldeutigen Spruch nicht gezwinkert hat, war alles.

Aber ist doch cool wenn die Mädels schon Teile haben. Ich meine. Da weißt du schon mal worauf du dich einlassen kannst.“ Grinsend steckte der Fettsack sich sein architektonisches Meisterwerk mit einem Wegwerffeuerzeug an.

Ich weiß nicht…“, seufzte Paul. Nahm einen Schluck von seinem Bier und sah aus vom Rollladen verschlossenen Fenster. Der Fettsack redete irgendeine Weisheit auf ihn ein, während sich Paul darüber wunderte, welcher Tag es war.

Wo gehen wir eigentlich hin?“ wollte Paul wissen, nachdem er Katha und Sarah umarmt hatte. Miguel hatte er die Hand gegeben.

So etwas. War eher der Normalfall. Gerade war er noch war er beim Fettsack auf dem verranzten Designersofa gelegen. Bis er irgendwie plötzlich woanders war. So hatte das zu funktionieren mit der Wirklichkeit. Nicht andersherum. Denn er konnte sich sehr wohl erinnern, wie er hierher gekommen war. Es spielt nur keine Rolle mehr. Diese ganze Aufregung, die er sich vorher gemacht hatte. Sei es zuhause. Beim Fettsack. Auf dem Weg zu Katha. Genau jene Aufregung, die sich in dem Moment als er vor ihr stand, mehr als berechtig anfühlte.

Na Tanzen“, lächelte ihn Katha an. Mit diesen unglaublich tollen Augen. Die über Pauls Zustand einfach so hinweg lächeln konnten. „Das magst du doch oder?“

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