Ikarus-Festival 2018 in Memmingen – Erlebnis- und Erfahrungsbericht/Kritik

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Bevor das Ikarus-Festivel überhaupt zum ersten Mal abgehalten wurde, schrieb ich einen Verriss darüber. Der Grund für diese Bodenlose Unfairness war mein Besuch auf dem Schwester-Festival „Echelon“, welches bei meinem damaligen Besuch so unglaublich scheiße organisiert war, dass mir jede Unfairness erlaubt war. Da das Ikarus quasi vor meiner Haustüre liegt, bin ich nun entgegen meiner Überzeugung doch mal hingefahren – und bin sehr positiv überrascht. Im Vorfeld hatte ich viel Schlechtes über das Techno-Festival gelesen. Kritische Facebook-Kommentare werden vom Veranstalter gerne mal gelöscht. Und der Kunde sollte dort nicht gerade „König“ sein. Zeit sich selbst ein Bild zu machen.

Gleich vorweg: Das Festival war gut organisiert. Es gab viel mehr Toiletten als in dem Horror-Jahr als ich auf dem „Echelon“ war. Genug zu Essen und zu Trinken. Die Leute an der Bar waren wirklich schnell und freundlich. Auch die Orgas waren okay. Wobei man selbstverständlich immer und überall auf einen Arsch treffen kann. Insgesamt aber war mein Eindruck sehr positiv. Klar. Die Preise waren teilweise schon gesalzen, aber auch nicht exorbitant hoch. 5 Euro fürs Parken z.B. ist doch okay.

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Nervig für die Leute in den Zeltlagern war sicherlich der Umstand, dass der Parkplatz ein gutes Stück vom Campingplatz entfernt liegt. Es ist aber nicht dramatisch. Z.B. ist es nicht im Entferntesten so mühselig sein Zeug vom Auto zum Zelt zu tragen, als Beispielsweise auf dem Southside. Wir haben nicht gecampt, deswegen kann ich dazu nicht mehr sagen.

Wir Tagestickler hatten das Problem, dass wir, nachdem wir das Festival-Gelände einmal betreten hatten, nicht mehr zum Auto zurück konnten. Ist schon ne Frechheit. Bei 56 Euro für einen Tag sollte das schon drin sein. So mussten wir alle Jacken gleich mitschleppen. Denn es war Gewitter angesagt worden – dazu aber später mehr.

Polizei habe ich ehrlich gesagt kaum gesehen. Es war nicht so wie bei der Nature One oder auf dem Sonne-Mond-Sterne-Festival, bei denen es teilweise schon recht ruppige und ausufernde Kontrollen gab. Hier habe ich gar niemand kontrollieren sehen. Ich verlinke hier mal den Polizei-Bericht von 2017 dazu. Im Vorjahr gab es schließlich 290 Straftaten mit 280 Drogendelikten. Irgendwer muss da also kontrolliert haben. Wir wurden nur zwei Mal vom Veranstalter kontrolliert. Was sicherlich auch der Grund war, weshalb man auf dem Campingplatz mehr bekam als auf dem Festival selbst.

Die Polizeizahlen von wegen 30000 Besucher haben mich über die Größe des Festivals getäuscht, da werden nämlich scheinbar an jedem Tag je 15000 Leute zusammen addiert. Ganz egal ob es die GLEICHEN Leute sind wie am Vortag. Ich bin mir sicher: 30000 Leute waren nicht annähernd  anwesend. Wir hatten viel Platz zum Tanzen und das Festival war an diesem Freitag zu keinem Zeitpunkt überfüllt.

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Die Mainstage hatten sie ganz nett aus Holz gezimmert und die Anlage machte einen guten Sound, an dem es nichts zu beanstanden gab. Wir waren ziemlich früh dran und tanzten da bereits schon um 16 Uhr herum. Und es machte Spaß. Was gibt es denn Schöneres als mit Freunden schönes zu erleben? Nur Sex ist besser. George Townston legte auch passabel auf.

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Im großen Zelt war es mega heiß und deswegen blieben wir dem erst einmal fern. Bis die Durchsage kam: Unwetterwarnung. Geht alle ins Zelt oder in EURE Zelte. Oder in die Bunker. Zum Einen hat mich die Durchsage an sich gefreut. Bei viel zu vielen Open-Air-Veranstaltungen stand ich schon im im unvermittelten  Regenrauscher, weil ich viel zu Betrunken war um in den Himmel zu schauen. Zum Anderen habe hat die spätere „Räumung“ des Geländes den Veranstalter auch an seine Grenzen gebracht. Während an der Mainstage der Sound ausgemacht wurde, gingen wir ins große Zelt – wo es dann wieder hieß, wir sollten doch in die Hangars/Bunker gehen. Weil so ein Zirkuszelt halt doch nicht so sicher ist. Auch wenn die Hangars bis dahin teilweise noch nicht einmal Musik hatten. Wir also in die Hangars (oh Verzeihung, in die Shelter), wo die Laune jetzt nicht so geil war. Auch. Wenn das Publikum im Hade-Shelter mit selbst gemachter Trommelei versuchte Tanzstimmug zu verbreiten. Währenddessen stürzten die Wassermassen aus den Wolken. Zum Glück ohne umgestürzte Bäume oder weggerissene Zelte. Sicherheit geht halt vor und fürs Wetter kann keiner was. Ich war ja schon einmal auf dem Berlin Festival, das in dem Jahr der Loveparade-Katastrophe aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden musste – auch wenn 2010 der Organisator schuld war, nicht das Wetter.

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Quizfrage: Wenn wir mit unseren Tagestickets noch nicht auf dem Festival-Gelände gewesen wären, was wäre passiert? Aufs Gelände ließen sie keinen mehr. Alle die Anstanden wurden in ihre Zelte geschickt. Aber hallo: Wir hatten keine Zelte!! Und ins Auto zurück konnten wir ja auch nicht. Dann wäre unsere Karte verfallen. Also im Regen stehen bleiben?

So kleine Kratzer in der Organisation sind bei jeder Party meistens gut fürs Gemüt. Das Jetzt-Erst-Recht-Gefühl setzt ein. Und so war es dann auch. Wir tanzten und feierten: Jetzt erst Recht!

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Den Soundtrack dazu lieferte  im Zelt Magit Cacoon. Während draußen Dominik Eulberg die Mainstage rockte. Was? Dieser Kerl der den „Buchdrucker“ und „die Rotbauchunken vom Tegernsee“ releast hat? Guter Mann. Nur. Ein wenig langweilig… Nicht heute. Der Dominik war super. Also echt jetzt. Es ging ordentlich nach vorne und einem Moment vergaß man sogar das Selfie-Schießen mit den hübschen Freundinnen. Und als der Dominik „la rock“ von Vitalic und gleich im Anschluss einen Remix von „When I rock“ von Electrochemie LK raus haute, war es um uns alte Säcke natürlich geschehen.

Halt mal kurz meinen Becher.“ „Klar…. Warum?“ „UUUUaaaaaaaahhhh (Rumspring)“ „Alles klar.“ (Trinkt aus dem Becher und nickt mit)

Zum Dominik und zu Aka Aka i  Anschluss haben wir wirklich sehr, sehr viel getanzt. Wie überhaupt den ganzen Tag über. Damit waren wir nicht alleine. Die aufgedonnerten Instagram-Kinder waren auch gut mit dabei. Selbst wenn es natürlich nicht so wild und entfesselt herging als wir jung… Hauptsache ihr habt Spaß.

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Nach Aka Aka ging es raus. Denn zum Essen gab es im Gelände nichts. Was ein wenig blöd war als das Gelände „geräumt“ war. Denn es gab nichts zu Futtern für uns. Wir chillten dann da ein wenig herum um wieder rein zu gehen zu „Tale of us“. Vielleicht wären wir auch länger am Chillen gewesen. Es regnete nur immer wieder. Und unsere halbnackten Freundinnen brauchten unsere Regenjacken… Mann ist halt doch zu nett. „Tale of us“ waren so na ja. Hat mich jetzt nicht umgehen. Die Kälte treibt einen an. Dann ging es noch aufs Riesenrad (die hatten echt ein verdammtes Riesenrad und Kettenkarussell – zwei Dinge die mir als erstes einfallen wenn ich an Techno denke) und als es dann wieder stärker zu regnen begann und wir uns ins Zelt quetschten, wurde eine kurze Umfrage gemacht: Bleiben oder gehen? Wir waren vor 10 Stunden aus dem Haus, im Zelt war kein Platz mehr zum Tanzen – aber, wir hatten Solomun und Nina Kraviz noch nicht gehört. Wir sind dann trotzdem heim gefahren. Verurteilt uns nicht. Aber uns war nass und kalt und gehen schließlich auf die 40 zu. Lass mer mal gut sein.

Fazit: Gutes Festival mit guten Freunden. Das ist das Wichtigste. Viel gelacht. Und sehr viel Geld ausgeben. Für meine Freunde nur das Beste.

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Persönlich habe ich eine besondere Beziehung zu dem alten Luftwaffenstützpunkt in Memmingen, auf dessen Gelände, zum Teil sogar in alten Flugzeug-Hangars, das Ikarus-Festival abgehalten wurde. Denn. Ich habe zu meiner Bundeswehrzeit dort gedient. 15 Jahre später auf das Gelände zurück zu kommen um, ganz im Gegenteil zur ursprünglichen Planung des Areals, dort friedlich mit Gleichgesinnten zu tanzen, ist doch mit die schönste Form vom Umnutzung militärischen Materials.

 

Wenn euch mein Beitrag zum Ikarus-Festival gefallen hat, empfehle ich euch meinen Roman „Verlorene Jungs“. In dem erzähle ich am Beispiel eines verrückt/normalen Wochenendes von meinem durchgeknallten Techno- und Drogenleben. Klickt entweder hier bei Amazon oder hier Bookrix rein, von wo aus ihr auf weitere eBook-Shops Zugriff bekommt.

Viel Spaß damit!

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