Absolution – 28 – Flüchtlinge im Dschungel

10.

Während Pauls Abwesenheit in der realen Welt, waren die Ma-Fag nicht untätig gewesen. Sie hatten die Gruppe aufgespürt, zu denen die Frauen gehören, die Paul und Paco auf ihrer Jagd entdeckt hatten. Insgesamt handelt es sich bei der Gruppe um 20 bis 30 Leute. Vertriebene, wie sie selbst sagten. Sie nennen ihr Volk selbst „Mi-Cock“. Der Name ihres Anführers ist Murdock. Murdock ist ein großer, weißer Mann. Der Anführer der Vertriebenen trägt einen vollen, großen Bart zu seiner Glatze. Und ist im Gegensatz zu den Ma-Fag unglaublich weiß. Fast schon nordisch. Sein Körper scheint ein einziger Muskel zu sein. Wie die Hauptfigur aus dem Videospiel; „Kriegsgott“, kommt Paul in den Sinn. „Thanos“ oder so glaubt Paul sich zu erinnern. Murdock und sein Volk sehen in diesem Dschungeldorf wie Programmierfehler aus: Die Nordmänner in den Tropen. Trotz seiner stattlichen Erscheinung steht Murdock vor den Ältesten wie ein Häufchen Elend. Seine Schultern sind tief eingesunken. Sein Blick ist leer und blass wie seine Haut, die von den Urwald-Mücken als ein Leckerbissen angesehen und regelrecht verspeist wird. Neben ihm steht seine rechte Hand. Ebenfalls eine Eiche von Mann. Ebenfalls ein guter Wikinger-Darsteller.

Die Handvoll „Mi-Cock“ hatten sich kaum bis gar nicht gegen die Gefangennahme durch die Ma-Fag gewehrt. Warum erklärt der geschlagene Gigant auf die Frage Kamyors:

Wir sind schon lange auf der Flucht. Sehr lange… Wir mussten unsere Heimat aufgeben. Unsere Ländereien. Alles.“

Weshalb?“ fragt einer der Ältesten. „Bringt ihr Krankheiten in den Wald?“

Nein. Nein…“ Murdocks Stimme ist hart und rau. „Wenn man so will haben wir versucht die Krankheit zurück zu lassen… Wir fliehen vor einem Feind, der größer und stärker ist als alles was…“ Sein Blick geht ins Nichts. In den Dschungelhimmel. „Wir hatten keine Chance…“

Wer ist euer Feind?“ Kamyor lehnt sich nach der Frage nach vorne. „Diese Vierarmigen Kreaturen?“

Gramon? Nein Gramon war… Ein Freund von uns… Ein Beschützer… Ein…“ Murdocks Blick sucht unter den Ma-Fag den Mörder Gramons. Doch für ihn sehen alle Ma-Fag ziemlich gleich aus. Noch nie hat er ein Volk wie das ihre gesehen. „Unser Feind sind… Ist… Es sind Kreaturen die vor nichts Halt machen. Sie sind nicht so wie wir… Sie sind auch nicht wie ihr… Sie sind… Anders… Und wir können sie nicht besiegen…“ Sein leerer Blick schweift über das Häufchen, dass der Stamme der Ma-Fag für ihn ist. „Auch nicht zusammen… Wir waren einst 5 bis 6 Mal so viele wie ihr… Wir hatten keine Chance.“

Unruhe breitet sich unter den Ma-Fag aus. Auch Banyardi wird unruhig. Seine Heldentat scheint schon vor Jahren verblasst zu sein. Was für Kreaturen müssen das sein, die so ein physisch starkes Volk vertreiben können?

Euer Krieg geht uns nichts an“, es ist Masiyo der spricht. Der Nachfolger von Kamyor in der Rolle des Dorflehrers. „Wir haben keinen Streit mit deinen… Kreaturen. Eure Probleme sind nicht die unseren.“ Die Ma-Fag nicken. Das Ganze ist nicht ihr Problem. Warum es dazu machen?

Ihr versteht nicht. Selbst wenn ihr uns ihnen ausliefert, wird sich nichts ändern. Selbst wenn ihr euch von ihnen versteckt, werdet ihr nicht davon kommen. Nicht einmal in diesem Wald… Auch wir haben keinen Streit mit ihnen. Wir haben versucht mit ihnen zu verhandeln! Aber… Mit Dämonen kann man nicht verhandeln.“ Erneute Unruhe. Die erst damit endet, als Murdock fortfährt: „Es geht nicht darum wer wir sind und wer ihr seid… Es geht darum, DASS wir sind…“

Die Unruhe nimmt Tumultartige Formen an. Ma-Fag springen auf und schreien Murdock an. Sie schreien sich gegenseitig an. Sie diskutieren laut, fuchteln mit den Händen – ein Verhalten, dass die Ma-Fag ansonsten nicht zeigen. Das besonne Dschungelvolk ist dabei den Kopf zu verlieren. Feinde als solches kennen sie nicht. Sie kennen Zwistigkeiten, Reiberein, auch Mordanschläge von anderen Stämmen. Monster und Soldaten jedoch sind ihnen fremd.

Wir müssen gemeinsam fliehen“, der zweite Mann der Mi-Cock hat zum ersten Mal gesprochen. „Das ist unsere einzige Rettung.“ Auch der zweite Mann der Mi-Cock sieht aus wie ein Nordmann. Lange blonde Haare. Breite Schultern. Hübsches Gesicht. Paul würde es nicht wundern, wäre sein Name „Sven“.

Für euch ist es ein Segen uns getroffen zu haben. Und es hätte nicht zu dem voreiligen Kampf kommen müssen! Das war ein Irrtum! Aber jetzt müssen wir zusammen arbeiten! Wir haben nicht viel Zeit!“ Nach seiner Rede steht „Sven“ impulsiv mit offenen Armen vor dem Rat der Ma-Fag.

Schweig!“ Kamyor steht vor lauter Erregung auf. „Wer hat dir erlaubt zu sprechen! Führt die Gefangenen fort! Wir müssen uns beraten…“

Die Nordmänner nicken unterwürfig und werden abgeführt.

Kamyor: „Was haltet ihr davon?“

Die Stimmen gehen durcheinander: „Ich weiß nicht…“ „Die Lügen doch! Die wollen uns doch nur verunsichern und uns später selbst überfallen!“ „Seht ihr was das für Riesen sind? Wer sollte diese Leute vertreiben?“ „Aber was ist mit dem Monster das Paco getötet hat?“ „Ja! Was ist wenn es MEHR von ihnen gibt?“ „Wir sollten sie erst einmal einsperren…“ „Wie wollte ihr denn so viele Leute verpflegen?“ „Wir haben genug für uns. Weil wir der Wald sind. Aber der Wald kann nicht alle ernähren!“ „Am Ende werden sie uns töten und uns unsere Frauen wegnehmen!“ „Aber was ist wenn sie die Wahrheit sagen?!“ Stille.

Banyardis Hand geht an sein Kinn. Das schlimmste Szenario ist wirklich, wenn sie die Wahrheit sagen…

Die Diskussion geht weiter: „Wir müssen die Bedrohung selbst mit eigenen Augen sehen!“ „Ja. Wir müssen Späher aussehenden!“ „Die Wachen verdoppeln!“ „Wir sollten die Männer und Frauen der Mi-Cock trennen.“ „Genau! Die Frauen gehören uns! So will es der Brauch!“ „Wir haben sie besiegt! Wir werden auch andere besiegen!“ „Lasst uns ihre Frauen nehmen, bevor sie die unseren nehmen!“ „Wir können sie nicht alle verpflegen. Lasst uns die töten, die keinen Nutzen für uns haben!“ „Aber wir können doch nicht einfach Leute umbringen, die Schutz bei uns suchen! Wir sind doch keine Mörder! Sind es nie gewesen!“ „Wenn wir nicht klug handeln, werden wir selbst unter ihren hungrigen Mündern leiden.“ „Der Wald ist zu klein für alle!“ „Nein! Das ist er nicht!“ „Wir müssen gute Gastgeber sein!“ „Wir müssen die Wahrheit heraus finden!“ „Schickt sie doch einfach weg! Sie sagen doch, sie wollen eh nicht hier bleiben!“ „Damit sie uns nächste Nacht ermorden können?“

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