Junge Leute und Techno im „Terminal 7“ in Paris – ein Erlebnisbericht

Eine Reise ins Ausland kann einem den Glauben an die Menschen zurückgeben. Sicherlich, das sind große Töne. Für ein paar Tage fühlte es sich trotzdem danach an. Ich wollte nie nach Frankreich. Meine Freundin dagegen schwärmte davon. Und als ich das Interview im Spiegel zur großen Macron-Grundsatzrede zu Europa gelassen hatte, dachte ich mir: Okay. Dieses Frankreich von Macron würde ich gerne sehen.

Manchmal bekommt man das wonach man sich sehnt.

Unser erster Eindruck von „Macrons Frankreich“ war der Bahn-Streik. Fährt unser Zug? Fährt er nicht? Und falls doch, wie lange würden wir von Stuttgart tatsächlich brauchen? Das Einzige was wir schließlich von der ganzen Sache mitbekamen, war eine Flasche Wasser, die uns die streikenden Bahner nach der Ankunft in Paris schenkten. Wegen den Unannehmlichkeiten. Welche Unannehmlichkeiten?

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Macron sprach in dem Interview auch und viel davon, dass es gerade die jungen Menschen gewesen wären, die ihn gewählt hätten und sie seien es, die sich ein starkes Europa mit einer großen Zukunft wünschten. „Geschwätz“ dachte ich. Typisches Politiker Blahblah. Umso überraschter war ich, Tausende junge Franzosen im ersten Bezirk zu sehen, die friedlich und außerordentlich gesittet vor dem Louvre auf den Grünflächen saßen und quatschten. Nicht nur dort. Überall am Uferverlauf der Seine saßen junge Leute wie Perlenschnüre aufgereiht und zeigten friedliche Präsenz. Das beeindruckte mich mehr, viel mehr als die schwer bewaffneten Soldaten, die durch die Innenstadt patroulierten und ebenfalls Präsenz demonstrierten. Frankreich ist immer noch im Ausnahmezustand. Na und? Die jungen Leute zeigten, dass sie keine Angst haben.

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Am letzten Tag ging es dann in das „Terminal 7“. Ein In-Club am Rande des ersten Bezirks. Google Navi wollte uns durch das Messegelände schicken, doch das war geschlossen. Weswegen wir durch die warme Pariser Nacht irrten. Dann trafen wir wieder junge Leute. Ja. Sie würden auch den Club suchen. Hier sei mal wohl nicht richtig. Ob wir mit ihnen mitfahren wollten? Ihr Auto stehe dort drüben. Man verständigte sich in diesem Wust aus Französisch und Englisch, der alle Vorbehalte aufhob und das Lachen wie Interpunktion benutzte. Gern fuhren wir mit. Wir hätten den Eingang zum Terminal 7 ohne sie nie gefunden. Es lag oben an der Straße. Ein Eingang ohne Schild. Da waren nur ein paar unscheinbare Metallgitter und Security-Leute. Neben einem gigantischen Billboard. Hier verloren wir kurz unsere neuen Freunde. Folgten dann aber hinab über die Autozufahrt, die extra für die Clubfahrt gesperrt wurde – wahnsinnig schön urban war das, ich liebe das ja, diese Annexionen, die das Nachtleben manchmal vornimmt – dem Strom der Menschen. Rings herum um das Gebäude, hinauf, hinauf, über die Dächer von Paris. Ah. Da. Dort. Der beleuchtete Eiffelturm. Den konnten wir auch durch das Panorama-Fenster des Clubs sehen. Das Terminal 7 ist nicht der schönste Club der Welt. Doch mit Panorama-Fenster ist ja jede Klitsche geil. Siehe Berghain.

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Das Tollste hier drin war: Die Franzosen tanzten. Es war gerade einmal 10 Uhr abends. Ame war der Erste  von der Innervision-Posse den wir in dieser Nacht hörten – und er war richtig stark. Endlich konnten wir einmal wieder MIT den Leuten tanzen, nicht GEGEN sie. Denn ganz anders als im verhassten Berlin, wo man sich für zu cool zum verschwitzten Tanzen hält und sich eigentlich nur darüber freut, HINEIN GEKOMMEN ZU SEIN, lachten und tanzten die Franzosen, als gäbe es keinen Morgen. Die Getränkepreise waren auch so. 10 Euro für ein Bier. Für Paris normal. Also gib mir doch bitte gleich einen Cocktail, junge Dame. Ich. War einer der wenigen die überhaupt noch mit Bargeld bezahlten. Ganz anders als bei uns.

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Draußen fanden wir dann auch unsere neuen Freunde wieder. Denen man gefälschte, weil bereits entwertete Tickets verkauft hatte. Bei einer Zigarette wurde über Techno schwadroniert; im „Concrete“ sei es viel geiler. Dorthin gehen die hippen Pariser. Während die Mädels sich umarmten, lachten und Facebook-Freundschaft bestätigten. Zeit für das Gruppenbild. Dann alle wieder rein auf die Tanze. Lachen, schwitzen und abgehen. Freundlich. Nett. Schön. Und als i-Tüpfelchen noch die Frage, ob wir Teile wollen würden? Ich: Ich würde ja gerne, aber… Und so hatten wir von den wildfremden Leuten jede Aufmerksamkeit bekommen, die man als Fremder so gerne hat: Sie haben uns mit ihrem Auto mitgenommen, haben uns Zigaretten geben, Kontakt-Daten ausgetauscht und gleich auch noch Drogen angeboten – das geschah innerhalb von 2 Stunden.

Später legte dann noch Dixon auf. Genau. Der Dixon. Bekannt von den resident advisor Wahlen.

Es war also eine sehr geile Nacht. Und ja. Wenn man das Geld hat. Und die Lust. Und das Herz am richtigen Fleck. Dem kann ich Paris nur empfehlen.

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