Absolution – 13 – Der Freund meiner Freundin ist mein Feind

Paul beobachtete Sarah weiter über ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe. Flirtete sie etwa mit Stevo? Im Ernst jetzt? Mit Stevo? War sie vielleicht doch nicht mehr als der Ruf, den ihr die Neider auf den Leib geschrieben hatten? So oder so. Es würde ein neues Mosaiksteinchen in Pauls Phantasien werden. Je mehr Infos, je mehr Ereigniskarten er zur Verfügung hatte, desto besser. Paul verspürte keinen Neid auf Stevo. Die reale Absicht mit Sarah etwas „anfangen“ zu können erschien ihm als absurd. Ihm blieben die Träume. Die bessere Realität. Daran war nichts auszusetzen. Er nahm noch einen Schluck von seinem Whiskey. Ohne seinen Blick von Sarahs Spiegelbild abzuwenden. Unvermittelt musste er die Luft anhalten. Irgendwas war anders. Irgendwas. War. Komisch. Sein angetrunkener Verstand konnte nur nicht sagen… Da kniff Paul seine Augen zusammen und er erkannte was sein Unterbewusstsein schon längst begriffen hatte: Chris stand außerhalb des Bosporus. Vor der Scheibe. Hinter Sarahs Spiegelbild. Und sah ihn an. Paul konnte nicht sagen wie lange Chris dort schon stand und ihn ansah. Wusste nicht, wie lange Chris sich schon – bewusst oder  unbewusst, das war nicht zu klären – hinter Sarahs Lichtbild versteckt hatte. Sein Freund Chris verweilte dort wie ein Toter. Wie ein Zombie. Wie ein vom Leben Verlassener. Seine Augen waren leer und blutunterlaufen. Seine Haut glänzte blass in der Dunkelheit. Eine Millisekunde lang  erschrak Paul. Dann lächelte er. Nickte Chris zu und deutete ihm mit dem Kopf an, zum Eingang zu kommen. Chris bewegte sich nicht. Er stand nur da. Starrte durch die Scheibe. Seine Sarah an. Die mit Stevo und dem Fettsack Späßchen machte.  Paul zog die Augenbrauen zusammen und machte noch mehr Bewegungen mit seinem Kopf. Eine um die Aufmerksamkeit von Chris zu erregen. Zwei weitere die in Richtung Tür wiesen. Chris. Reagierte nur mit seinen Augen. Wie eine Puppe mit eingeschränkten Körperfunktionen sah er Paul an. Ohne seine Ausdruckslose Miene auch nur einen Moment zu verändern. Blinzelte. Und ging dann doch um den kleinen ehemaligen Dönerladen herum zur Eingangstüre. Zufälligerweise standen im gleichen Moment Fettsack und Sarah auf.

„Los Paul, komm mit. Wir gehen nach oben“, grinste ihn der Fettsack an.

„Äh… Ja klar. Du. Chris ist da draußen.“ Er nickte den Blick von Fettsack zur Eingangstür, wo Chris neben dem Türsteher stand, der sich noch nicht entschieden hatte ihn passieren zu lassen. Schließlich war Chris Pauls Freund. Nicht der von seinem Chef. Der Fettsack zuckte nur mit seinen Schultern: „Auf den habe ich heute keinen Bock.“ Schüttelte den Kopf in Richtung Torwächter und ging in den Backstage-Bereich. Damit hatte Paul nicht gerechnet. Es war fast logisch zu Chris zu gehen und den Fettsack zurückzulassen. Dafür sprach schon Pauls Gerechtigkeitsempfinden. Was war denn schon dabei den Chris hier rein zu lassen? Was soll denn jetzt dieser Unsinn. Er auf die Ausgangstüre zu, wollte hinaus zu seinem Freund. Um lieber draußen bei den Ausgeschlossenen zu sein, als drinnen bei den Möchtegern-Coolen. Hätte ihn da Sarah nicht am Arm berührt und gesagt: „Komm. Lass uns hochgehen.“ Was ausreichte um Chris zu vergessen und mit Sarah und Fettsack nach oben zu gehen. Sarah war wunderschön heute. Das Kokain in ihrer Nase machte sie nur noch zauberha

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2 Gedanken zu “Absolution – 13 – Der Freund meiner Freundin ist mein Feind

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