Tödliche Pflanzen

In einem Glückskeks stand neulich (vor einem Jahr?): „Es ist nicht die Arbeit die dich umbringt, es sind die Sorgen.“ Reaktion: Großes Harlekin-Gelächter mit weinendem Auge. Ist aber so. Die Arbeit frisst dich nicht auf, das ist Unsinn, sie kannibalisiert dich nicht. Niemand wird aufgefressen. Es ist mehr so wie im Pflanzenreich. Die Fauna kämpft nämlich auch, wir sehen nur nicht genau genug hin. Nicht mit Giften. Okay, vielleicht auch. Aber ich habe nie verstanden was es einer Pflanze hilft wenn derjenige der sie aufisst später kotzt und stirbt – dann ist es für die Pflanze zu spät und auch vorbei. Was bleibt ist die Warnung für alle anderen Tiere, die daraus – ist das möglich? – irgendetwas gelernt haben. Durch das Gift. Nein. Ich meine die Pflanzen, die keine Kommunisten sind.

Die meisten Pflanzen… Ich meine so mit Blättern und Fotosynthese… Die meisten Pflanzen also kämpfen durch Wachstum gegeneinander. Ja wirklich. Die starke, robuste Ellenbogen-Pflanze wächst einfach über die kleine, nette schüchterne Pflanze hinweg und stiehlt der dann das Sonnenlicht, worauf das nette Pflänzelein verkümmert und stirbt. Das ist meine Metapher für Arbeit. Das ist Burnout. Das ist Kapitalismus. Daher der Satz: „Die Arbeit wächst mir über den Kopf.“

Auf- und weggefressen wird da also gar keiner. Sonst wäre es doch einfach.

 

Der Trick ist, sich nicht in den Schatten stellen zu lassen. Und es ist nicht nur die Arbeit mit den Chefs, Kollegen und dem ganz vielen SELBST was dich in den Schatten stellt, es sind besonders die Freunde, die Familie und die Umgebung. Man hat ja so zu sein, solche und solche Wünsche zu haben und weil man die halt hat, muss man da durch. Sonst wird das nichts mit XXY. Wozu eigentlich? Niemand liebt dich mehr weil du so bist wie sie dich wollen. Besonders nicht du dich selbst. Es ist nur leichter so zu sein wie die anderen. Und dabei ist es doch so unendlich schwer.

Eine Revolte von uns ist nicht zu erwarten: Wir sind viel zu müde um aktiv aggressiv zu werden.

 

Heute verstehe ich die Hippies. Ihr Davonlaufen von der Wirklichkeit beinhaltet Mut.

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8 Gedanken zu “Tödliche Pflanzen

  1. Wen – die Arbeitswelt? … … … Nur soviel zu machen, wie gerade bei einem selber geht, braucht ein dickes Fell, wenn man das Ganze überblickt. Wir sind alle Rädchen im Getriebe, der Chef ist auch nur ein Untertan, kriegen Sie Mehrarbeit und Engagement auch mehr bezahlt? – sprach der Psychologe, den ich nach Strategien gegen burn out befragt habe. Na das hilft mir doch weiter, also wirklich… Darauf den Sonntagskaffee gelupft!

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  2. gegenvernunft

    Klingt ein wenig spießig :-*

    Ich meinte die Revoluzzer-Hippies. Das ist nur lange her. Idee enden wohl. Attitüden bleiben.

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  3. Wenn man die Punk-Szene überlebt, wird man Hippie. Ist ein Naturgesetz. Der harte Kern von früher hier trifft sich ausschliesslich in Kleingärten, wo liebevoll legale Pflanzen gepflegt werden. Nachdem früher ja ständig und überall total viel los war genießt man heute die Langsamkeit, guckt den Blagen beim Spielen zu und macht ein bisschen Unkraut weg. Natürlich nach wie vor immer mit Kanne am Hals. Das wird nie enden. 🙂

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  4. Is wieder so ne Realitätsgeschichte. Also wie man´s wahrnimmt. Bei 95% der Jobs die ich bis jetzt gemacht habe kann ich das so unterschreiben. In meinem jetzigen Job ist es anders.
    Hippies wie ich laufen nicht vor der Realität davon, wir suchen nach einer besseren. Und manchmal klappts.

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  5. Aber wie lang bzw. weit hat das Fortlaufen gereicht? …
    In Argentinien soll die Arbeitsmoral ganz annehmbar sein, hab ich mir von einer Nachbarin schreiben lassen. Bleibt also nur Anpassung oder Auswandern. Beste Grüße aus dem Hamsterrad and on and on and on and on

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