Modular Festival 2016 – Festival-Rückblick

Bei so einem Umzug zeigt sich zwangsläufig, dass ich kein besonders begabter Handwerker bin. Wobei das Dinge sind, die man lernen kann, zeigt man die Bereitschaft dazu. Die Erfahrungen macht es aus. Festival-Erfahrung dagegen habe ich in meinem Leben sehr viel gemacht. Und. Kurioserweise würde ich weder das Eine noch das Andere als weniger wichtig betrachten.

 

Zum dritten Mal also auf dem Modular-Festival, welches ich im ersten Jahr eher belächelt habe. Typischer Augsburger Kinderkram… Mann kam ich mir früher lächerlich cool vor… Heute, im gesetzteren Feieralter finde ich es dort viel entspannter als auf den gigantomanischen Festivals, auf dem sich die Leute tottreten und zusammenzwängen. Foo Fighters oder Chemical Brothers gibt es hier natürlich keine, dafür eine kleine aber feine Musikauswahl. Ja. Das Modular hat gerade die richtige Größe um ein angenehm Minimassenevent zu sein.

 

Bereits also das dritte Mal sitzt man auf der Wiese, trifft Freunde und Bekannte aus Augsburg, die man nur zwei oder drei Mal im Jahr außerhalb von Facebook zu Gesicht bekommt, gibt sich Lebensupdates, während man in die Sonne blinzelt, das Bier im Plastikbecher in der Hand.

 

Die große Bühne haben die Veranstalter so belassen wie die letzten Jahre, die kleinere, zweite Bühne (siehe Foto oben) wurde klugerweise ein wenig nach hinten verschoben, so dass mehr Räum zwischen den Klangräumen entstand. Es hat auch nicht gepasst, wenn die Musikgewalten aus den verschiedenen Horizonten im Wettkampf standen.

Irgendwann wurde auch vermeldet, der Donnerstag sei ausverkauft, was das Alles noch viel angenehmer machte, denn obwohl wirklich Massen von Parade-Hippstern gekommen waren (so Berlin 2010 mäßig) hatte man immer Raum um sich wohl zu fühlen, Raum um sich zu bewegen, zu liegen und zu stehen. Das ist wichtig, denn es baut Stress ab. Und Stress verdammt noch mal haben wir im Alltag doch mehr als genug oder?

 

Das einzige „Problem“ war das Indie-Line-Up dieses Jahr, auch wenn Namenhafte Bands geladen wurden. Der Sound der Marke „Im Zweifel eher schlecht gelaunt bis melancholisch“ ist für meinem Geschmack nicht sehr Open-Air tauglich, ganz gleich ob die Bands aus Aichach oder wie „Blaue Blume“ aus Dänemark kommen. Das hörte man sich so an, war jedoch viel zu gut drauf um sich  von dem speziellen Vibe dieser Musik einsaugen zu lassen.

Da wandelte man doch lieber umher. Aß etwas veganes. Oder kaufte sich Steine bei „Wildling“. Oder sah sich das Vinyl-Cap bei „Degree“ an…

 

 

Bei „Get Well Soon“ standen wir ganz, ganz vorne, im Regen, und sahen der Gruppe um Konstantin Gropper zu, wie sie selbst ihre Anlage einstellten. So etwas ist immer sympathisch. Ich mag „Get Well Soon“ seit vielen Jahren, hab sie auch ein paar Mal schon live gehört, nur krankt ihre Musik an dem oben erwähnten Problem: Dass, wofür Festivals heute stehen, dieses „Kraftklub/David Guetta-Mitmachen-Ding“, bei dem die Musik quasi in die Interaktionen der Crowd ge-embed werden, fehlt hier vollkommen. Ganz im Gegenteil: Take it or leave. Dabei war  es wirklich sehr amüsanten Bandleader Konstantin seinen absolut trockenen Humor um die Ohren geschlagen zu bekommen (Stil-Blüten? Statt „Wir sind Get Well Soon“, kündigte er die Band nach dem zweiten Lied als „Wir sind De Pres Sion an.“ Was noch getoppt wurde durch seine ironische, von sich selbst belachte Frage an die Menge: „Seid ihr auch alle gut drauf?“). Der Konstantin tritt eh jedes Mal so abgeschrubbt künstlerisch verbrämt auf, dass es immer eine Freude ist. Seine Schwester Verena neben ihm bringt dagegen die geerdeten Gefühle rüber. Einfach immer wieder nett anzusehen.

 

Obwohl ich die ersten drei „Get Well Soon“ Alben besitze, wundere ich mich jedes Mal wie wenig ich als Kulturbanause da mitsingen kann und wie wenig der catchigen Lieder von ihnen auf Festival-Shows intoniert werden. Nun. Es war auf jeden Fall ein musikalisch tolles Konzert, das den Leuten die zuhören können auch viel mitgab.

 

Danach sind wir rüber zu den Wurzeln. Zum House/Minimal-Floor, wo alte Hits ausgegraben und beschankt, teilweise sogar betanzt wurden. Der elektronische Chill-Out-Floor, warum nicht?

Einen Cuba Libre bitte. Danke. Den Rest kannst du behalten.

Nach einer geschlagenen Stunde Umbaupause spielt der Headliner dieses Abends, Dillon. Auch nicht gerade die Partymucke. Das Problem mit Dillon in diesem Fall ist nicht das sie nicht singen könnte oder schlechte Musik schreibt: Wie sie sich live präsentiert geht einfach gar nicht. Sie am Keyboard, noch ein Typ links von ihr an… Maschinen. Dahinter je ein Scheinwerfer… Und dafür bauen die ne ganze Stunde auf…

Das soll natürlich eine gewisse Stimmung vermitteln, passt jedoch besser in eine Kellerkneipe als auf ein Open-Air-Festival. Und was auch gar nicht ging waren ihre Mitsing-Instruktionen ans Publikum: Bitte nicht zu laut und zu überspannt singen! Nicht aus dem Rhythmus fallen! Dazu wertende, abwertende Handbewegungen, die sehr arrogant herüber kamen (siehe als Vergleich das Ende der Depeche Mode Live DVD „Devotional“, bei dem Dave Gahan am Ende seinem Publikum auch so was vor den Latz knallt). Das sind nun einmal nicht die Wiener Sängerknaben sondern Normalverbraucher dort zu deinen Füßen, Gör.

Die Musik war okay, elektronisch poppig, ganz nett, für meinen Geschmack nur nicht besonders relevant oder innovativ. Nichts. Was man in ähnlichen Nuancen nicht schon woanders gehört hat.

 

Danach sind wir ziemlich bald, sehr gut gelaunt nachhause.

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