„Narcos“ und ich

(Ich schreibe die nächste Zeit mal auf dem PC u veröffentliche über das Handy ,  ist ein Versuch wert…)

In diesen Tagen sehe ich mir die Serie „Narcos“ an. Sie handelt von den kolumbianischen Drogenbaronen und im Speziellen von Pablo Escobar, fast könnte man von einer Biografie Escobars sprechen und zwar in der Art, in der „Der Baader-Meinhof-Komplex“ eine Biografie der RAF darstellt.

Wie meistens in solchen Geschichten – deren Drehbuch hier jedoch die Wirklichkeit schrieb – gehen nach dem Aufstieg und dem Etablieren der Machtstrukturen die Probleme erst richtig  los.Erfolgreich zu werden scheint manchmal ein Leichtes im Gegensatz zum ständigen Machterhalt zu sein. Escobars Geschichte ist aber auch DIE Blaupause für solche Karrieren, denn neben seinem explosionsartigen Erfolg und seinem  Aufstieg durch den Verkauf von Tonnen Kokain in die USA, der ihn  zum Multi-Milliardär machte und ihm die Möglichkeit gab, sich als Prophet und Gönner der „kleinen Leute“ darzustellen, ist Pablo Escobar dafür bekannt geworden, einen blutigen Bürgerkrieg gegen die kolumbische Regierung geführt zu haben, bei dem er nicht einmal davor zurückschreckte Passagierflugzeuge zu bombardieren und unzählige unschuldige Menschen zu töten um nur einen Mann zu beseitigen.

 

Escobar hatte die Macht so zu handeln, da die Amerikaner und später auch die Europäer ihm die Macht dazu gaben. Nicht die „freiheitlichen Regierungen“ der USA und der EU gaben ihm diese Macht und Legitimation, das waren Leute wie du und ich, wenigstens, wenn du gerne Drogen nimmst. Sein Erfolg war das Produkt unserer Sucht, denn unsere Sucht gaben ihm das Geld sich wie ein Diktator oder gleich wie ein Gott generieren zu können; und wie ich das so sah, auch wenn die Handlung in den 80ger Jahren angesiedelt ist, stellte sich mir die Frage, wie viel Blut an dem Kokain klebte, dass ich in meinem Leben zu mir genommen hatte. Und auch wenn ich diese Droge nicht mag und lieber andere konsumierte (konsumiere), ist doch keine Droge frei von Schuld.

Das ist schon komisch: Der Süchtige, der ich bin, war und wohl immer bleiben werde, hatte nie die Zeit oder die Muse sich mit etwas anderem auseinanderzusetzen als mit sich selbst und seiner eigenen Sucht. Was juckt mich das Leid und Elend von irgendwelchen Leuten auf einem anderen Kontinent? Oder von sonst wem? Schließlich hatte ich ja schon genug Probleme. Und man darf auch nicht vergessen, dass man im Prinzip nicht einmal Schokolade kaufen darf wegen der Auswirkungen auf die Menschheit (ob der Sklavenhaften Bedingungen beim Kakao-Anbau – und wegen der Plastikverpackung), nicht einmal Autofahren ist frei von Schuld, wenn man einmal an den Planeten denken würde. Doch wenn man so wie in „Narcos“ vor Augen geführt bekommt, wie Frauen und Kinder wegen meinem Glück sterben müssen, dann bewegt das noch was in mir – und ihr könnt jetzt darüber schmunzeln oder nicht, aber ich finde das ein Anzeichen dafür, dass ich noch ein wenig ein Mensch geblieben bin.

Komisch. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht.

5 Gedanken zu “„Narcos“ und ich

  1. gegenvernunft

    Mhm. Da soll aber auch noch die pharmaIndustrie ihre Finger mit drinnen gehabt haben. Wo wir wieder beim geld sind u wieder bei dem was in narcos über regean gesagt wird, dem es nicht passen konnte das Milliarden Dollar nach Kolumbien flossen.

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  2. Schön gerettet. Da brauchen wir uns erst also erst mal keine Sorgen um die Rüstung zu machen. Auf Vice stand die Tage übrigens, einer aus Nixons Team hätte jüngst zugegeben, daß sie den Krieg gegen Drogen nur wegen Schwarzer und linker Hippies angefangen hätten. Ich such mal den link.

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  3. gegenvernunft

    Nicht mehr bombardieren heißt im umkehrschluss nicht keine Panzer mehr zu brauchen. Pazifismus kann man den wenigsten Regierungen unterstellen.

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  4. Dem einen sein Koks, dem andern sein Benzin. Heute las ich, die Saudis wollen nach einem Jahr keine Jemeniten mehr bombardieren, wegen langweilig&bringt nix. Wenn die plötzlich zu Pazifisten werden, müssten wir uns neue Kunden für unsere spritfressendend Panzer suchen. Schwierig…

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