Die verschiedenen Gesichter der deutschen Weltmeister

Und wenn schon? Wen interessiert es denn nun wirklich ob die Weltmeisterschaft 2006 gekauft wurde? Korruption ist ein Weltweites Problem und Deutschland war  sicherlich nicht so viele Jahre Exportweltmeister, ohne dass dazu die eine oder andere Mark „spendiert“ wurde.

Korruption ist ne blöde und schlimme Sache, die für viel Ungerechtigkeit auf der Welt sorgt, das ist keine Debatte wert, die Verwunderung darüber das es wohl gesehen ist,  teile ich nur nicht.

Ich habe mich einmal vor vielen Jahren über den Wandel des Kleidungsstils hier im Blog echauffiert (siehe damals die fetten Kerle in ihren „Wir sind Opel“-Shirts, kontra die dürren Arbeitslosen im Anzug! während der Weltwirtschaftskrise), jetzt ist mir, im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Beckenbauer-Affäre und den dazu gezeigten Bildern, aufgefallen, wie sehr sich die Art des Feierns der deutschen Nationalmannschaften beim WM-Pokal- Gewinn verändert hat:

1954  

1974

1990

2014

Wenn man den Links folgt sieht man nicht nur 11 Männer die sich freuen. Bei genauerer Betrachtung ist zu sehen, wie die Freude immer erst kindischer, dann viehischer, würdeloser wird.

Heute schreien sich die „Herren“ weg wie die Tiere, während – siehe Beckenbauer 1974 – Jahrzehnte vorher noch, ich würde aus heutiger Sicht sagen, mit verhaltener und doch sichtlicher Freude der Pokal emporgereckt wird (1954 sogar gar nicht, da wurde noch der TRAINER gefeiert, nicht die eigene Leistung…). Heute reißen alle Dämme.

Frage: Wie sieht das beim nächsten WM-Gewinn aus? Reißen sich die Männer dann gleich wie die Tiere die Trikots vom Leib? Pinkeln sie sich dann Jahrzehnte später auch gleich noch ins Gesicht? Klar: Übertreibung. Die Frage bleibt offen: Was wird uns, wenn man diese Entwicklung ernst nimmt und sie auf die gesamte Gesellschaft auslegt, für die diese Fußball-Millionäre eine Metapher bedeuten?

Ich finde es sehr bemerkenswert, wie der deutsche Mann sich über die Jahrzehnte selbst entfesselt hat. Es gibt sicherlich viele Leute die rundum und ohne Vorbehalt sagen würden, dass das eine gute Entwicklung sei; ich bin mir dabei nicht so sicher.

Wo ist die Würde? Wo ist die Größe?

Umgekehrt ist (und das habe ich schon oft festgestellt) es sogar noch erbärmlicher zu sehen, wenn Männer mit Körpern aus Stahl nach einem verlorenen Fußball-Spiel auf dem Boden liegen und weinen wie kleine Mädchen… Sie haben es sich doch so sehr gewünscht zu gewinnen…  

Was soll das? Was wird aus uns? Aus unseren Gefühlen? Wo hat das ein Ende? Wird das Verhalten des Pöbels einem das perfekte Ideal? Werden wir eines Tages zu vollendeten Kindern werden?

Das sind Anzeichen für unseren Ausverkauf an den Jugendwahn.

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6 Gedanken zu “Die verschiedenen Gesichter der deutschen Weltmeister

  1. Ich bin da nicht anders – eins meiner Lieblingsthemen ist der Kampf gegen den Spruch „Früher war alles besser“.
    Da gehe ich halt immer an die Decke. Deshalb konnte ich mir ja meinen Kommentar nicht verkneifen.
    Sorry… 😉

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  2. Danke für den Hinweis, habe ich hier stehen 🙂
    Es ist auch ein wenig ein Thema an dem ich mich übertrieben abarbeite, immer wieder. Und wegen dieser kleinen Obsession werde ich oft auch ein wenig schludrig mit den Einträge, unsachlich und manchmal zu verallgemeinernd.
    Da muss ich mich an die eigene Nase packen.

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  3. Früher war selbstverständlich nicht alles besser.
    Das hat sicherlich auch was mit Erziehung so wie mit dem Schulsystem an sich zu tun und damit, wie sehr es die Menschen gewohnt sind ausleben zu dürfen und auch ausleben zu können.

    Das mit dem Erwartungsdruck bemerkst du zu recht, schließlich ist die ganze Aufmerksamkeit die so ein Spieler heute erlebt viel umittelbarer als vor dem Internetzeitalter.

    Dennoch sprechen die Bilder für sich. Und ich gebe unserem Jugend-Zeitgeist dafür die Schuld, in der auch niemand alt und „herrisch“ wirken will, sondern ewig jung. Da benimmt man sich halt auch so.
    (Mich eingeschlossen)

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  4. Es hört sich so an, als ob früher alles besser war. Das glaub ich nicht. Ich glaub daran, dass es anders war.
    Der Sieg war keine Überraschung mehr. Er wurde erarbeitet. Das ging über Jahre. Daher freute man sich auch anders.
    Es war ein: „Endlich bekommen wir das, was wir so lange angestrebt haben.“ Das Ende harter Arbeit.
    Vorher hatte man diesen Erwartungsdruck noch nicht.
    Analysiere auch mal die Lieder zu den einzelnen Meisterschaften.

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