Plötzlich sind wir wieder alle Christen?

Kaum auszuhalten sind diese Religionsdebatten, die einem jetzt von überall aufs Auge gedrückt werden. Die Menschen haben Angst vor Überfremdung, das kann man verstehen, vor anderen Kulturen auch, ja. Doch ebenso wenig wie ich als Europäer Angst vor dem Islam haben muss, muss ich mich jetzt auch nicht von den Christen vollquatschen lassen, dass wir doch alle hier Christen sind und man jetzt im Glauben zusammenhalten muss: Gegen die Anderen die da kommen.

Ne.

In dieser lächerlichen Debatte wird gerne vergessen, dass seit Jahren die Leute massenweise aus den christlichen Kirchen austreten und jetzt über die Flüchtlingshysterie versucht wird, durch die Angst vor den Moslems sie da wieder hineinzubekommen.

Demokrat oder Europäer zu sein heißt aber nicht zwangsläufig Christ sein zu müssen, es kann auch heißen diesen ganzen Religionsquatsch überwunden zu haben und davon einfach nur gelangweilt, sowie  im besten Fall tolerant gegenüber den Gläubigen, zu sein. Warum wir keine Angst vor dem Islam haben? Weil wir das Christentum als Staatsreligion überwunden haben, wieso sollten wir nicht den Islam ebenso überwinden und als das tolerieren was er ist? Nämlich jedem seine eigene Entscheidung was er denkt, glaubt, fühlt oder macht, solange es nicht gegen unsere freiheitlichen Werte verstößt.

Da stellt es einem wirklich die Zehennägel auf wenn so Originale wie Margot Käßmann daherkommen und behaupten, dass der beste Schutz vor Angst über die Islamisierung ein regelmäßiger Kirchenbesuch ist. Das würde ich vielleicht auch sagen wenn ich für den Verein arbeite.

Wenn dann aber auch noch die Kanzlerin zu christlichen Werten rät (derselbe Artikel oben im Link) ist das schon ziemlich heikel. Denn die ruft hoffentlich nicht vorher im Vatikan an, bevor sie wichtige Entscheidungen für „ihr Volk“ trifft (okay, wichtige Entscheidungen trifft die Merkel eh erst wenn alles fast zu spät ist, ihr wisst schon was ich meine).

Es reicht schon ein guter Mensch zu sein, der auch so handelt. Kirchensteuer und anderen  Firlefanz bedarf es dazu nicht.

Es geht nicht um CHRISTLICHE WERTE. Obwohl ich gegen die gar nichts habe. Es geht darum, was sich die Menschen aus dieser Leitreligion aufgebaut haben, dieses gilt es zu leben und zu verteidigen. Und europäische Werte zu verteidigen heißt in diesem Fall auch, fremde Menschen ganz gleich welcher Religion die Hilfe brauchen nicht einfach ihrem Schicksal zu überlassen, wenn sie vor unserer Haustüre stehen. Damit verteidigen wir unsere Werte: In dem wir sie rein lassen. Klingt ironisch. Ist aber so. Denn das ist es was uns ausmacht. Und dazu muss ich nicht sonntags in die Kirche gehen, sondern mein Herz öffnen.

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5 Gedanken zu “Plötzlich sind wir wieder alle Christen?

  1. Wenn die Debatten und Missionierungen aus dem Freundeskreis kommen, ist man durchaus bis zu einem gewissen Grad dazu gezwungen. Man könnte sich dem auch verweigern, das stimmt.

    Das mit der Haltung VORHER ist ein guter Punkt. Das Vorher verschwimmt nur schnell in der Debatte.

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  2. kuder

    Ja, das stimmt.
    Andererseits bist du selbst dazu ja nicht gezwungen, oder?
    Was diese ganze Flüchtlingsdebatte angeht, kommt´s mir langsam hoch, in welch groteskem Gelaber man zur Positionierung gezwungen wird, oder von den verschiedenen ideologischen Richtungen vereinamt wird. Ich reagier darauf etwas so:
    was habe ich VOR diesem Ergeignis gedacht. Von was war ich vor all diesen Medienberichten überzeugt, usw.- Dann fällt die Entscheidung relativ leicht.

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  3. Guten Tag Herr Kuder, lange nichts mehr von dir gehört 🙂

    Wer weiß? Ich finde ohnehin das wir in einer spannenden Zeit leben, bleibt abzuwarten in welche Richtung sich alles entwickelt.

    Nur wenn bevor „Langschläfer“ geweckt werden, muss man sich sicherlich auch mit der Hyper-Religiösen auseinandersetzen, egal welcher Glaubensrichtung, und das empfinde ich jetzt schon als anstrengend…

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  4. kuder

    Das ist natürlich Quatsch,was diese Kässmann erzählt. Niemand ändert irgendwas, nur weil er eine Ortsveränderung vornimmt.
    Anderseits bin ich für ein Reform in Glaubensfragen, es würde dringend Zeit das die Leute mal ihren Glauben, der eigentlich nur ein erstarrtes, vorgekautes Konstrukt einiger Institutionen ist,
    in Debatten reingzogen würde. Das ist längst überfällig.
    Merkwürdigerweise kommt es zu weltanschaulichen Debtten erst unter äusserstem Druck: insofern sind die Migrationsströme vielleicht sogar zu begrüssen, …..es weckt ein paar Langschläfer auf. Warum nicht?

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