Echelon Festival 2012 – Rückblick

Der heißeste Tag des Jahres und Techno – passt das gut zusammen? Bei der Berliner Love Parade war das schon immer eine grenzwertige Sache, denn einerseits waren da die Menschenmassen, andererseits der Tierpark, in dem man wenigstens etwas Schatten genießen konnte. Beim Echelon gab es nur die Menschenmassen… Es war so heiß, dass sich die Leute in jedes Stücken Schatten klemmten, teils zwischen und hinter den Getränke- und Essensständen (ich hätte ein Foto davon machen sollen), zwar gab es ein von Red Bull hingestelltes Sonnenschutzzelt, doch bei den 20 Quadratmetern Schatten war das mehr eine Qual und Hohn für die Tausende Partygäste, denn die paar Leute die dort unterkamen, waren eindeutig die Minorität. Das Festivalgelände verlassen hieß dabei den Verlust der Wiedereintrittserlaubnis. Was also tun? Wohin? Und vor allem warum hatte man nicht einfach für 1 oder zwei Tausende Euro ein Sonnensegel hingestellt? Die Freundin mit der ich via Bus dort hinfuhr bekam einen Sonnenstich und musste mit dem Zug wieder heim (da war die „Sicherheitsbreze“ doch etwas zu wenig…). Sie. War nicht das einzige Opfer der Sonne. Trotz der vier Duschstrahler und des Wasserschlauchs, der „in die Menge“ hielt – es war nicht so, dass man nichts gemacht hätte, das muss man schon mal fair dazusagen: Hat aber nicht geklappt, das muss man auch sagen (gestern wurden selbst Profifußballspiele unterbrochen, damit die Millionäre trinken können und die stehen besser im Saft als Technomenschen).
Gut. Natürlich gab es Sanis. Doch eine Auszeichnung für gutes Krisenmanagement sollen die sich nicht verdient haben (das weiß ich aber nur vom Hörensagen, vlt war der Andrang da auch zu groß), auch die Security und Ordner haben keinen Preis dafür verdient wenn man sie etwas simples gefragt hatte.
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Aber warum sich über ein nicht vorhandenes Sonnensegel ärgern, wenn nicht einmal genügend Toiletten da waren? An diesem Samstag war ich froh keine Frau zu sein. Die dutzend Dixies (die Schätzung ist keine Untertreibung, viel hin und her kann da nicht gewesen sein) waren absolut überrannt und in der Nacht standen die Frauen so „unter Druck“, das sie sich einfach vor den Zaun setzten (wo sonst freimütig prollig die Männer stehen und sich ihrer Männlichkeit erfreuen) und ließen sich von Freund und Freunden die Sicht auf ihren Toilettengang verstellen. Leute. Ich habe schon viel erlebt. War auf einige Hände voll Festivals, aber so etwas habe ich noch nicht gesehen…

Das Echelon-Festival (Tagesfestival von 12 Uhr mittags bis nachts) selbst hat leider so gar keinen Charakter. Die Location ist absolut austauschbar aufgebaut, die typischen Stände, ewiggleich aussehende Bühnen, dieselbe beschissene Deko in der Halle (gibt es da einen Verleihshop für Festivals mit elektronischer Musik, der sein Sortiment innerhalb von 10 Jahren einmal ändert?) und von der Naturkulisse bekam man auch nichts mit.
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Über die Soundqualität kann ich nicht viel sagen, da ich wegen meines Hörsturzes Gehörschutz trug – da klingt dann der ganze Sound wie ein schlechter Download aus dem Internet…
Was ich aber beurteilen kann (subjektiv, logo) ist der Inhalt der Musik.

Jedoch. Ich mache. Aus Spannungsgründen. Erst einmal. Mit der Busfahrt. Und den Drogen weiter.
Ich hasse ja Busfahren. Noch und nöcher. Meine schlimmsten Erinnerungen an Techno überhaupt sind diese gecharterten Technobusse, wo lauter druffe Volldepp ihre Debilität zum Besten geben und alle Menschen mit ihrer anerkauften „Gude Laune!“ auf den Sack gehen (so nach dem Motto: Ich bin gut drauf, ihr nicht? Ja dann helfe ich euch auf die Sprün-gää!!!), während brülllauer Konservensound aus den Boxen poltert. So gesehen war die Busfahrt DIE Überraschung (auch wenn man etwas mehr mit den Menschen kommunizieren gekonnt hätte, gerade auf der Hinfahrt). Nette, sympathische Leute, die einfach die Ruhe selbst weghatten. Die kannten und kennen sich scheinbar alle schon ne Weile, was die Aktion sehr entspannt machte, weil jeder wusste wie der Andere tickt. Da wurde dann vorgetrunken und… Nun, so Dinge gemacht, weswegen man nicht selbst fährt.
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„Da hat mir jemand Drogen in mein MDMA Tütchen getan!“
„Alter… MDMA sind Drogen!“
„Hä?“

Ja, es wurde mal wieder recht viel konsumiert auf einem Technofestival, was mit den Jahren immer weniger und seltener wurde (ich habe es schon ein paar Mal erwähnt: Heute werden Druffis in Clubs eher schief angesehen). Hier war dem nicht so, was gepaart mit der Hitze natürlich auch eine gefährliche Mischung war und mit viel Einsicht und Verständnis (oder Vorausplanung) darf man da bei einem druffen Kopf erwarten: Der Termin steht, da wird „gefeiert“. Mit allem was dazugehört. (sehr deutsch mal wieder).
Drogen heißt natürlich auch, dass es wenig Ärger gab (hab gar nichts davon gesehen) und die Menge Lamm doof und Hand zahm war und viel Mist abfeierte, den man nüchtern beweint hätte (heute bin ich aber wieder charmant 😉 ).

„Ich kann dich sehen! Kannst du das auch?!“
„Du Arsch! Ich bin so dicht, ich erkenne überhaupt nichts!“
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Den ersten Act den wir hörten, waren Aka Aka feat Thalstroem. Mit ihrem locker pushenden Sound waren sie eigentlich der perfekte Rahmen für einen schönen Festivaltag, da wir aber schon nach dem Eingang halb verflossen waren, gingen wir erst mal spazieren.
Auf dem zweiten Open-Air-Floor erfand sich Dominik Eulberg mit seinem Minimal-Sound auch nicht gerade neu, doch wir suchten da neben dem Bier auch erst einmal so etwas wie Schatten – oder eine Toilette (siehe oben).

Als wir dann ein schnuckeliges Plätzchen gefunden hatten hörten wir uns auf dem Mainfloor relaxed Oliver Koletzki mit Fran an. Das war ganz schön enttäuschend. Der ehemalige Mückenschwarm brachte so gar keinen ins Schwärmen (Mann, Mann… Vlt sollte ich bevor ich schreibe doch mal ausschlafen… Das sind ja furchtbare Wortspiele…) und der schlecht gemixte Gesang von Fran brachte ihr einige Morddrohungen ein.

Hier. Einen Moment Stille.

(…)

Das Bier und die Worte machte uns unaufmerksam und wir checkten erst gegen Ende, das wir gerade das Live-Set des Headliners gehört hatten, Marek Hemann. Hemann ist so ein Beispiel dafür, was ich nicht nachvollziehen kann. Denn der Sound war so fad und langweilig, das… Doch die Leute wollen das. Das ist wie Mario Barth – den wollen die Leute auch. Ist mir ein Rätsel. Klingt wie jeder andere Minimale…

Nachdem alle Klarheiten beseitigt waren legten Moonbootica los. Meiner Meinung nach kann man mit Moonbootica nichts falsch machen, und die waren dann auch schon ziemlich geil. Sogar die Sonne hatte ein Einsehen. Und so wurde das getan, weswegen man da war. Bei mir vielleicht etwas zu viel, weswegen ich mich sehr über mich selbst ärgerte. Da stand man sich selbst im Weg, hat nur doof herum gezappelt. Wollte doch. Eigentlich. Mit… Einsicht ist nicht immer beste Weg zur… Mensch Junge… Was bist du denn immer so verspannt?…
Zum Jammern ist es: Zu spät.
Doofer, aber sehr richtiger Gedanke: Ich könnte so vieles können, aber…

Moonbootica machten mit ihrer Mischung aus Techno und Electro wie gewohnt einen dicken Fuß und waren sicherlich der „Rocker“ unter den Acts. Wer danach kam konnte eigentlich nur abstinken…
Als Lexy und K-Paul „die Turntables enterten“ (-Schluck!-) johlte die Menge und mein betrunkener Partner in Crime meinte:
„Was wird denn da gejubelt?! Da soll erst mal Leistung gebracht werden! Dann wird drüber diskutiert ob das alles okay fanden. Und DANN! Wird gejubelt – oder auch nicht!“
(Ich lag auf dem Boden vor Lachen nach der Aussage – macht zwar Sinn, aber wie stellt er sich das vor? Wie ne Therapiegruppe?)
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Lexy und K-Paul waren aber auch wirklich schlecht. Derselbe Mist wie vor 10 Jahren und das nicht einmal irgendwie modern aufgepeppt. Es war wie ein Autounfall, bei dem man einfach nicht wegsehen konnte. Die spielten sehr sorglos die Stimmung kaputt, während mein Begleiter meinte, dass wir das nächste Mal V.I.P-Tickets kaufen würden, damit wir auch doof beim DJ rumstehen könnten (was gegen alle meine Überzeugungen überhaupt ist –VIP-Karten zu verkaufen) um denen mal in den Arsch zu treten bei/nach so einer Leistung.
Wir versuchten es drüben beim Karotte – doch der brachte echt das Wunder zustande… Noch schlechter zu sein.

Endlich. Letztendlich (auch weil die anderen Bühnen dann zumachten, Stichwort: Alternativlosigkeit) gingen wir in den Indoor-Bereich, wo schon das Wasser von der Decke tropfte. Ich mag so was. Wenn so viel Energie im Raum ist, dass Mann/Frau von sich aus schwitzt wie ein Irrer, nur nicht, wenn man schon den ganzen Tag in der Sonne stand. Was Format B da zeigten war ordentlich. Harter Beat, normaler Techno, wenig Schnickschnack – und plötzlich waren alle Leute die ich kannte weg. Also richtig weg. Finden konnte ich die da nicht mehr. Und da wurde mir klar, dass ich das Echelon nicht mal auf der Landkarte finden würde.
Als gab ich mir noch Len Faki, der mir gut gefiel mit seiner Definition von Techno, wobei er das Kunststück vollbrachte immer dann eine gute Platte zu spielen, wenn es gerade langweilig hätte werden können. Da hat mir noch etwas die Nacht gerettet, denn innerlich hatte ich schon so sehr mit Techno abgeschlossen, mit mir und meiner Art, das mir alles zum Hals heraushing: Da war sie mal wieder. Meine Technosattheit. So würgte ich den mir vorgesetzten Teller noch hinunter, überredete mich Regelrecht dazu (was hätte ich auch sonst machen sollen?) und es schmeckte dann doch. Der Rest ist Bus und von ihm ausgesperrt zu sein (verschwitzt in der Kälte) obwohl schon fast alle da waren – Thanx dafür…

Mann, ist der ganze Mist mal wieder lang geworden. Auch ziemlich schnörkellos. Doch wenn man mit der Nacht über weite Teile überhaupt nicht zufrieden ist, ist es schwer da etwas Witz und Farbe mit hinein zu nehmen.
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Echelon? Nein danke. Dafür gibt es viel zu viele gute Festivals, wo der Kunde noch König ist und nicht in die Ecke scheißen muss. Selbst das Line-Up war mager.
Und ich erkläre es noch einmal: Das Wetter ist nicht mehr „schön“, wenn man in der Sonne halb stirbt: Sonne ist nicht gleich gutes Wetter. Ihr Idioten!
Spaß hatte ich dennoch. So grausam war es dann nicht. Aber das mit dir und mir Echelon. Ne. Das hat keine Zukunft.

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18 Gedanken zu “Echelon Festival 2012 – Rückblick

  1. Pingback: Ikarus-Festival 2018 in Memmingen – Erlebnis- und Erfahrungsbericht/Kritik – Strategien gegen Vernunft

  2. Das war der Moonbootica-Remix gespielt von – moonbootica. Fand ich auch sehr grenzwertig, weil total proletenhaft, aber da habe ich ein Auge zugedrückt und ne Kippe geraucht 😉

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  3. bei sascha braemer habt ihr echt was verpasst, irgend so ein idiot am mainfloor (moonbootica oder l&k) haben „leider geil“ zum besten gegeben und sich somit komplett disqualifiziert.

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  4. oh lol, habe herzlich gelacht…
    also wirklich, fleming, beschäftige dich doch erstmal mit techno, bevor du sowas böses über unfähige djs schreibst, das geht so gar nich, komm mal klar…
    harharhar 😀

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  5. Nö, ich habe dich ernst genommen ;D Ich kann nicht immer versucht objektiv sein. Bei der Auswahl von DJs die es gibt, muss man fast in Klischees denken. Und Freund Peter besetzt bei mir da kein Gutes, denn sein Sound spricht mich einfach nicht an, auch wenn man bei ihm mal Glück haben kann.

    Das mit der Realität hat fast schon etwas von Wittgenstein 😉

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  6. Also ich gehe jetzt davon aus das Du das nicht ernst meintest. Ich meinte es so, das ich weil ich mehr von Format B kenne, nur diese eine Doppel-Maxi gekauft habe, näh? Der Peter mag oft besoffen sein, auflegen kann er dann aber komischerweise immer noch ganz gut.

    Natürlich ist das Geschmackssache und Musik hört jeder anders. Die Realität wird ja auch von jedem anders wahrgenommen – das ist das einzige was wirklich alle Menschen miteinander verbindet 😉

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  7. Ehrlich gesagt habe ich ihn mir nicht ganz angehört, doch ich werde mit dem Karotte einfach nie warm. So du denkst von einer „Doppelmaxi“ :)) auf das ganze Spektrum von Format B schließen zu können – von denen ich auch nicht viel kenne.

    Und wie immer an dieser Stelle: Musik hört jeder anders 🙂

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  8. Madame. ich mach den zirkus schon seit 12 jahren mit. über geschmack läßt sich streiten doch nach dem ich l und k schon ein paar mal gehört habe kann ich nur sagen, dass das arbeitsverweigerung war. bei karotte kann msn schon froh sein, wenn er nicht sturzbesoffen ist.

    wie gesagt. jeder hört das was er hören kann.

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  9. ich hab mal nur so drüber gelesen.
    lexy und k-paul waren echt gut, haben anderen sound gespielt als auf ihren alben zu hören is, super abgewechselt und meine stimmung gerettet, nachdem moonbotica so ein derber scheißdreck ohne gefühl waren. karotte hat das kunststück vollbracht sogar noch besser zu sein als lexy und k paul, also komm mal klar. technosattheit, dass ich nich lache. beschäftige dich vielleicht mal mit der musik bevor du drüber einfach nur mist erzählst.
    achja: das mit echelon und mir, das wird auch ncihts.

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  10. Bei den Temperaturen auf ein Festival? Respekt….

    Karotte war schlecht? Hab´ eigentlich noch nie ein TOTAL schlechtes Set vom Peter gehört…

    Von Format B hab´ich hier noch ´ne Doppelmaxi rumstehen, die reicht mir auch. Die beiden Jungs klingen immer sehr ähnlich.

    Jaja, die Organisation. Da hab´ich auch schon einiges erlebt. Dafür gibt´s nur ein Wort: Schlamperei!

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  11. Wie gesagt: duschen u wasserschläuche gabs, doch dir waren nur der tropfen auf den heißen stein. und indoorbereich war die luftfeuchtigkeit so hoch, das man wie verrückt schwitzte

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  12. Wie gesagt: duschen u wasserschläuche gabs, doch dir waren nur der tropfen auf den heißen stein. und indoorbereich war die luftfeuchtigkeit so hoch, das man wie verrückt schwitzte

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  13. ja, bei uns ists schattig. Was du da beschreibst klingt für mich wie die wahre Hölle. Das hätte ich gar nicht ausgehalten ohne die Möglichkeit, sich zwischendurch mal den Kopf abzukühlen.
    Meine Güte, seit zwei Wochen ist bekannt, dass dieses Wochenende richtig heiß wird, wieso konnten die Veranstalter da nichts organisieren?

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